María Helena Céspedes
Mit Kunst und Kultur gegen den Krieg

Schwester María Helena Céspedes kämpft gegen die Ungerechtigkeit, die soziale Ungleichheit, die Ursache für den bewaffneten Konflikt in Kolumbien, der 300.000 Leben forderte, mehr als sieben Millionen Menschen zu Binnengeflüchteten machte und unendlich viel Leid über das südamerikanische Land brachte.

Zwei Frauen stehen sich in einem hellen Raum mit gefliestem Boden und großen Fenstern gegenüber, berühren sich mit den Handflächen und lächeln. Im Hintergrund sind weitere Personen zu sehen, die sich ebenfalls an der Aktivität beteiligen.

Schwester María Helena Céspedes und Paula Amazo im Jugendzentrum Britalia in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá. Foto: Juanita Escobar/Adveniat

Mehr als fünfzig Jahre Krieg haben Narben auf der Seele hinterlassen: „Mein Bruder hat sich der Guerilla angeschlossen und ist gefallen“, sagt Schwester María Helena Céspedes Siabato. Was Kolumbien im Großen erlebte, machte ihre Familie im Kleinen durch: Polarisierung, Gewalt, Widerstand, Tod. Der Tod des Bruders war eine Mahnung: „Ich wollte nie etwas mit Waffen und Gewalt zu tun haben. Mein Weg sollte ein friedlicher sein.“

Eine Frau mit kurzen dunklen Haaren und Brille lächelt freundlich. Sie trägt eine lila Jacke und einen gemusterten Schal und steht in einem Innenraum mit unscharfem Hintergrund.

Schwester Maria Helena Cespedes.
Foto: Achim Pohl/Adveniat

Geblieben ist bis heute die Motivation: Der Kampf gegen die Ungerechtigkeit, die soziale Ungleichheit, die Ursache für den bewaffneten Konflikt in dem südamerikanischen Land, der 300.000 Leben forderte, mehr als sieben Millionen Menschen zu Binnengeflüchteten machte und unendlich viel Leid über Kolumbien brachte. Und diesen Kampf für die Armen führt Schwester María Helena heute im Viertel Britalia der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá weiter. Hier strandeten die Opfer der bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Guerillabanden, Paramilitärs und der Armee.

Das Konzept ist ebenso einfach wie überzeugend: „Wir setzen dem Krieg drei Dinge entgegen: Kommunikation, Kultur und Kunst“. Und so klingen aus den Fenstern des Gemeinde- und Jugendzentrums gegenüber einem tristen Bolzplatz die Klänge von Geigen und Klarinetten, von Tanz und Theater. Ein bunter lebhafter Ort, in dem gemeinsam Pläne für ein besseres Kolumbien entworfen werden. „Was wir brauchen ist ein grundlegender Wandel der Gesellschaft, die es bislang gewohnt war, ihre Konflikte mit Gewalt zu lösen“, sagt María Helena.

Zwei Frauen stehen lächelnd im Freien und kümmern sich um Grünpflanzen in einem Garten. Im Hintergrund sind Backsteinmauern und verschiedene Gartenbauwerke zu sehen.
Ein Mann in einem roten Hemd spielt Gitarre, während drei Mädchen in einem Klassenzimmer mit grüner Tür und orangefarbenen Fenstergittern sitzen und Panflöte spielen, während ein weiteres Mädchen in der Nähe steht.
Zwei Frauen in farbenfroher traditioneller Kleidung und hohen Federhüten, die mit langen, bunten Bändern geschmückt sind, stehen sich während einer kulturellen Veranstaltung oder Feier gegenüber.

Einmal im Jahr geht es besonders bunt zu: „Der Karneval bietet uns die Möglichkeit, mit friedlichen und kreativen Mitteln auf Missstände hinzuweisen.“ Mehrere hundert Menschen sind im November auf den Beinen. Schwester María Helena leitet das Projekt „Carnaval popular por la vida“, ist Ansprechpartnerin und Koordinatorin für alle die mitmachen wollen. „Jedes Jahr werden 600.000 Gründe geboren, um in Frieden zu leben“, lautete zuletzt das Motto. Der Marsch soll aufrütteln und motivieren: „Man kann etwas ändern, wenn man will“, ist Schwester María Helena überzeugt.

Text: Tobias Käufer