Zukunft des Amazonas in Gefahr
Fachgespräch mit Gästen von Adveniat aus Brasilien und Deutschland
Bingen. Was bleibt nach der internationalen Klimakonferenz COP, die vor wenigen Tagen im brasilianischen Belém zu Ende gegangen ist? Welche Ideen können den Klimawandel aufhalten, und wer sollte Verantwortung übernehmen?
Darüber diskutierten etwa 130 Studierende der Fachbereiche Klimaschutz, Klimawandel und Agrarwirtschaft der Technischen Hochschule Bingen am Donnerstag, 27. November, mit Gästen von Adveniat. Auf dem Podium saßen der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Professor Ottmar Edenhofer, der brasilianische Bischof Vicente Ferreira, der auch an der diesjährigen COP teilgenommen hat, Adveniat-Hauptgeschäftsführer Pater Martin Maier, sowie der Mainzer Blogger Joshi Nichell, der ebenfalls anlässlich der COP in Brasilien unterwegs war. Moderiert wurde das Gespräch von Adveniat-Pressesprecher Stephan Neumann.
Als Gastgeber begrüßte Dekan Professor Dr. Michael Rademacher von der Technischen Universität Bingen die Anwesenden. Zu ihnen gehörten neben den Studierenden der Hochschule auch eine Gruppe Gast-Studierender aus Frankreich, einige Mitglieder der Gruppe „Christians for Future“ aus Bingen, sowie Lehrende der Hochschule, unter ihnen auch Mitinitiator der Veranstaltung, Oleg Panferov, Professor für Klimawandel, Klimaschutz an der TH Bingen.
Eine Krise, die alles umfasst
Adveniat-Partner Bischof Vicente Ferreira von Livramento de Nossa Senhora im Bundesstaat Bahia im Nordosten Brasiliens kämpft seit Jahren für die Menschen und die Natur, die insbesondere von den Bergbaukonzernen ausgebeutet und zerstört wird. Er betonte: „Es gibt nicht auf der einen Seite eine soziale Krise und auf der anderen Seite eine ökologische Krise. Sondern es gibt eine Krise, die alles umfasst. Deshalb freue ich mich sehr, hier viele junge Menschen zu sehen, die unsere Zukunft bedeuten. Vielleicht können Sie etwas verändern“, äußerte der Bischof seine Hoffnung. Es gehe im Kern um folgendes Problem: „Der Geist der Vergötterung des Gewinns wird über den Respekt vor dem Leben und über die Rechte der Völker gestellt.“
In Brasilien werde der Regenwald im Amazonas-Gebiet immer weiter zerstört, um Erdöl und andere Rohstoffe zu gewinnen. Noch kurz vor Beginn der Weltklimakonferenz habe der brasilianische Staat zugestimmt, dass die Erdöl-Industrie die Region weiter ausbeuten dürfe. „Das ist das Gegenteil von dem, was uns zuvor versprochen wurde“, machte Vicente deutlich. Von den Auswirkungen der Zerstörung der Natur seien alle Menschen betroffen. Vicente: „Die Menschen werden nicht überleben, wenn der Planet nicht geschützt wird. Ich hoffe, dass wir uns alle durch unser Engagement retten können. Denn wir werden nur alle zusammen überleben. Oder keiner von uns.“

Ausgetrocknetes Flussbett. Amazonas-Regenwald im Sommer 2024. Wegen großer Trockenheit sind die Pegelstände sehr niedrig und die Vegetation trocken.
Indigene: Wir sind die Lösung
„Wir sind die Antwort auf die Klimafragen, wir sind die Lösung des Problems“, diese Botschaft hat der Blogger Joshi Nichell von seiner Begegnung mit Mitgliedern der indigenen Völker Brasiliens mitgenommen. „Lebt so wie wir“, hätten sie ihn ermutigt. Damit sei vor allem gemeint, dass wir nicht mehr von der Natur in Anspruch nehmen sollten, als wir brauchten, erklärte Nichell. Und vor allem nicht aus reiner Profitgier die Ressourcen der Erde zerstören sollten: „Natur ist keine Handelsware“, sagte er. Nichell ermutigte dazu, sich mit der Frage zu beschäftigten: „Wie viel ist eigentlich genug?“
„Individuelle Schlauheit führt zu kollektiver Dummheit“
Professor Edenhofer hält die Erwartungen an die Welt-Klimakonferenzen für überhöht. „Es wäre wichtiger, belastbare Schritte in die richtige Richtung zu unternehmen, als darauf zu hoffen, dass die ganze Welt sich zu einem gemeinsamen Ziel durchringt“, sagte der Professor. „Wir werden das 1,5 Grad-Ziel mit ziemlicher Sicherheit nicht einhalten können“, sagte Edenhofer. „Wir müssen uns selbst eine Knappheit der fossilen Rohstoffe auferlegen, um den Klimawandel aufzuhalten“, sagte er. Die Tragödie der Allgemeingüter sei: „Selbst wenn Vereinbarungen gemeinsam getroffen werden, bestehen für Einzelne hohe Anreize, sich wie Trittbrettfahrer zu verhalten, anstatt ihren Teil beizusteuern. So führt letztlich individuelle Schlauheit zu kollektiver Dummheit.“ Als Beispiel für eine konkrete Maßnahme schlug Edenhofer eine internationale Steuer auf Flug- und Schiffsverkehr vor. Die generierten Einnahmen könnten dazu genutzt werden, ärmere Länder beim Ausstieg aus der Kohle als Energiequelle zu unterstützen.
Konkrete Hilfe vor Ort
Pater Martin Maier sagte: „Es ist möglich, Veränderungen zum Positiven zu erreichen.“ Die katholische Kirche sei mit etwa 1,4 Milliarden Mitgliedern weltweit eine starke Gemeinschaft. Adveniat stehe dabei für die Kooperation zwischen Völkern und Nationen, die sich in ganz konkreten Maßnahmen niederschlage. So unterstützt Adveniat etwa die Anschaffung von Solar-Anlagen im globalen Süden, um Diesel-Generatoren zu ersetzen. „Die Schönheit des Amazonasgebietes allein sollte für uns ein Anreiz sein, diese Schöpfung zu erhalten.“
Adveniat Weihnachtsaktion 2025
Rettet unsere Welt – Zukunft Amazonas
Der weltweite Hunger nach Rohstoffen, Holz und Fleisch zerstört die Lebengrundlage der indigenen Völker am Amazonas und erstickt die Lunge der Welt. Gemeinsam mit den Partnerorganisationen vor Ort unterstützt Adveniat indigene Gemeinschaften dabei, ihre Rechte zu schützen und den zerstörerischen Eingriffen von Konzernen und Regierungen entgegenzuwirken. Die indigenen Völker leben im Einklang mit der Natur und sind damit die wahren Umweltschützer und Klimaretter. Unter dem Leitwort „Rettet unsere Welt – Zukunft Amazonas“ ruft Adveniat dazu auf, sich an die Seite der Menschen zu stellen, die für die Bewahrung des Amazonas als gemeinsames Haus und als globale Grundlage für zukünftige Generationen einstehen – oft unter Einsatz des eigenen Lebens.








