Adveniat-Hauptgeschäftsführer Pater Martin Maier zu den Ergebnissen der 30. Weltklimakonferenz in Belém 

Die Bilanz der 30. Weltklimakonferenz im brasilianischen Belém fällt gemischt aus. Dass mehr als 80 Staaten einen Fahrplan zum Ausstieg aus den fossilen Energien fordern, ist ein starkes Signal und Licht am Ende eines langen Tunnels. Länder Lateinamerikas gehören neben den Europäern zu den entscheidenden Befürwortern. Deshalb ist es kein Zufall, dass bereits im kommenden Jahr eine Konferenz in Kolumbien stattfindet, auf der ein solcher Ausstiegsfahrplan konkretisiert werden soll. Es macht Hoffnung, dass sich fast die Hälfte der Staatengemeinschaft hinter eine solche Forderung stellt.

Unter den kommenden Extremwetterereignissen wie Dürren werden besonders ärmere Länder leiden. Foto: Adveniat/ Florian Kopp

Dass die Konferenz insgesamt ohne mutige und vor allem konkrete Beschlüsse zu Ende gegangen ist, bedeutet jedoch: Es wird nicht nur die Erderhitzung in nächster Zukunft auf mehr als 1,5-Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit ansteigen, es wird auch das völkerrechtlich verbindliche beschlossene Ziel von Paris, die Erderhitzung auf unter 2 Grad zu begrenzen, nicht mehr zu halten sein. Die bittere Botschaft von Belém angesichts dieses Zukunftsszenario: Besonders die ärmeren Länder werden von den Verursachern des menschengemachten Klimawandels, den reichen Industriestaaten, auch weiterhin buchstäblich im Regen stehen gelassen. Sie haben am wenigsten zu den CO2-Emissionen beigetragen und werden am meisten unter den Dürren, Wirbelstürmen, Überschwemmungen und anderen Extremwetterereignissen infolge der Erderhitzung leiden. Denn die angekündigte Erhöhung der Hilfen für die ärmeren Länder des Globalen Südens auf 120 Milliarden Euro jährlich ist weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben – abgesehen davon, dass es mehr als fraglich ist, ob das Geld überhaupt zusammenkommt.

Ob der von Brasilien initiierte Regenwaldfonds (TFFF) wirklich die Regenwälder und vor allem die dort lebenden indigenen Völker schützt, wird von der konkreten Umsetzung abhängen. Mit dem Fonds soll mehr als eine Milliarde Hektar Regenwald in über 70 Ländern erhalten werden. Bislang haben Brasilien, Indonesien und Deutschland je eine Milliarde und Norwegen drei Milliarden Dollar dafür in Aussicht gestellt. Als Lateinamerika-Hilfswerk fordert Adveniat, dass diese Initiative nur mit den indigenen Völkern gemeinsam als entscheidenden Protagonisten geplant und umgesetzt werden muss. Der Fonds darf nicht als grünes Feigenblatt der reichen Länder dienen, um am eigenen Wirtschaften und Verhalten nichts ändern zu müssen, während gleichzeitig über die Köpfe der dort lebenden Menschen hinweg entschieden wird, wie die Bewahrung der Regenwälder und ihrer Artenvielfalt zu geschehen hat.

Ob der Regenwaldfonds die Regenwälder und die indigenen Gemeinschaften wirklich schützen kann, hängt von der konkreten Umsetzung ab. Foto: Adveniat/ Jügern Escher

Doch trotz allen Einschränkungen und Enttäuschungen geht von Belém die positive Botschaft aus, dass nach wie vor gemeinsames Handeln über Länder-, Kontinent- und Kulturgrenzen hinweg möglich ist. Die Konferenz ist mehr als nur ihr achtseitiges Abschlussdokument. Indigene Völker, zivilgesellschaftliche Initiativen und Hilfswerke haben sich in ganz verschiedenen Formen eingebracht und damit den Weltklimagipfel mitbestimmt. Und trotz des Boykotts der Trump-Administration waren nahezu alle Länder – auch Vertreter zahlreicher Bundesstaaten der USA – auf der Weltklimakonferenz vertreten und haben gemeinsam an der Mündung des Amazonas um eine gute Zukunft für den Planeten gerungen. Damit leben sie das Vermächtnis von Papst Franziskus, unser Gemeinsames Haus und ganz besonders das Amazonasgebiet zu schützen, wie er es vor 10 Jahren in seiner Umwelt- und Sozialenzyklika Laudato sí und auch 2019 auf der Amazonien-Synode im Vatikan zum Programm erhoben hat. In seiner Borschaft zum „Earth Day“ am 22. April 2024 rief er die Mächtigen und die Reichen auf, „Handwerker und Baumeister des gemeinsamen Hauses zu werden“. Mit 1,4 Milliarden Mitgliedern ist die katholische Kirche dabei der größte Global Player.

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Rettet unsere Welt – Zukunft Amazonas

Der weltweite Hunger nach Rohstoffen, Holz und Fleisch zerstört die Lebengrundlage der indigenen Völker am Amazonas und erstickt die Lunge der Welt. Gemeinsam mit den Partnerorganisationen vor Ort unterstützt Adveniat indigene Gemeinschaften dabei, ihre Rechte zu schützen und den zerstörerischen Eingriffen von Konzernen und Regierungen entgegenzuwirken. Die indigenen Völker leben im Einklang mit der Natur und sind damit die wahren Umweltschützer und Klimaretter. Unter dem Leitwort „Rettet unsere Welt – Zukunft Amazonas“ ruft Adveniat dazu auf, sich an die Seite der Menschen zu stellen, die für die Bewahrung des Amazonas als gemeinsames Haus und als globale Grundlage für zukünftige Generationen einstehen – oft unter Einsatz des eigenen Lebens.