Venezuelas Katholiken trauern um Bischof und Adveniat-Partner Mario Moronta 

Vom Revolutionsführer einst gefeiert, dann scharfer Kritiker der linksextremen Regierung in Venezuela: Die Kirche dort verliert einen charismatischen Geistlichen, der keine Scheu hatte, sich mit den Mächtigen anzulegen.

Bischof Mario Moronta bei einem Firmgottesdienst. Foto: Adveniat/Florian Kopp

Wo immer Bischof Mario del Valle Moronta Rodríguez hinkam, die Gläubigen suchten seine Nähe und seinen Rat. Kaum ein katholischer Kirchenführer in Venezuela erreichte eine solche Popularität und moralische Autorität wie der Bischof von San Cristóbal. Den politischen Aufstieg und moralischen Verfall der venezolanischen Revolution erlebte er hautnah. Am Montag (Ortszeit) ist Bischof Moronta im Alter von 76 Jahren gestorben, wie die Venezolanische Bischofskonferenz bestätigte.

So wird der Bischof von San Cristobal den Menschen in Erinnerung bleiben: Mario Moronta kam immer zu früh zur Messe. „Dann habe ich Gelegenheit, mit den Menschen zu reden“, sagte er, während eine Straßenhändlerin ihm einen Kaffee in die Hand drückte. Moronta will wissen, wie das Geschäft läuft. „Man schlägt sich so durch“, lautet die Standardantwort in einem Land, in dem das Geld jeden Tag weniger wert ist und der Mangel den Alltag beherrscht. Immer mehr Venezolaner kehren ihrer Heimat den Rücken.

Zurück bleiben die Schwächsten: Kinder, Mütter, Alte. Viele können sich nur noch eine Mahlzeit am Tag leisten. Medikamente sind schwer aufzutreiben. Für die Bedürftigen hat die Diözese auch mit Hilfe des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat ein Netzwerk von Suppenküchen und kleinen Apotheken in den Pfarreien eingerichtet. Gespeist wird das Netz von Spenden, die über verschlungene Wege aus dem benachbarten Kolumbien nach Venezuela gelangen. Moronta hielt darüber seine schützende Hand.

Bischof Mario Moronta besucht einen kleinen Laden, in dem auch Medikamenten-Spenden verteilt werden.

Zeit des Dialogs

Für sein soziales Engagement erhielt Moronta im Jahr 2018 in Rom den Internationalen Preis Paul VI. Das soziale Engagement teilte Moronta mit dem verstorbenen Expräsidenten Hugo Chávez. Lange war der „rote Bischof“ einer der Brückenbauer zur sozialistischen Regierung. Doch dann geriet Venezuela immer mehr in die Fänge des kubanischen Kommunismus. Gleichzeitig breiteten sich Korruption und Misswirtschaft aus. Seit Nicolas Maduro Chávez an der Staatsspitze beerbt hat, sind die Brücken eingestürzt.

Im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) 2017 in seinem Heimatbistum sprach Moronta darüber, dass immer mehr Menschen Venezuela verlassen. “Wir sehen mit großer Sorge, dass nicht nur junge Leute gehen, sondern ganze Familien. Wir sehen hier im Grenzgebiet immer mehr komplette Familien mit ihren Kindern, ihren Großeltern, ihren Koffern, die weggehen wollen, um eine neue, bessere Zukunft zu finden”, sagte Moronta damals. “Die Mehrheit der Venezolaner, die ins Ausland gehen, will arbeiten, will vorankommen und sich zumindest grundlegende Bedingungen erarbeiten, die ein würdiges Leben ermöglichen.”

Adveniat-Partner Mario Moronta bei einer Altenspeisung. Foto: Adveniat/ Florian Kopp

Der Exodus begann, als die Maduro-Regierung Demonstrationen gewaltsam niederschlagen ließ. Die Parlamentswahlen verloren die Sozialisten 2015 krachend. Doch statt die Niederlage zu akzeptieren und den Weg für einen demokratischen Neuaufbau freizumachen, ließ Maduro die gewählten Abgeordneten aus der Nationalversammlung prügeln und ersetzte das Parlament durch eine “verfassunggebende Versammlung” mit linientreuen Parteifreunden.

Für die Bevölkerung war das ein Alarmsignal: Mit friedlichen und demokratischen Mitteln war ein Machtwechsel nicht mehr möglich. Millionen packten die Koffer und gingen. Ein ähnliches Szenario wiederholte sich bei den Präsidentenwahlen 2024: Wieder unterlag Maduro laut internationalen Wahlbeobachtern. Wieder weigerte sich der Verlierer, die Niederlage anzuerkennen – und blieb einfach im Amt.

Offene Kritik an Maduro

Schon Maduros “Wahlsieg” 2018 war umstritten. Der Lieblingsbischof von Hugo Chávez hatte dazu eine klare Meinung, die er 2019 bei einem Berlin-Besuch im KNA-Interview klar formulierte: “Diese Regierung ist illegitim, kriminell, korrupt. Sie hat nur ein Ziel: sich selbst zu bereichern. Sie verstößt gegen die Menschenrechte und das Völkerrecht.” Menschen würden gefoltert und getötet, die Grenzen dichtgemacht, so Moronta. Helfer dürften nicht ins Land. Zuletzt hätten Büttel der Regierung Anführer eines indigenen Volksstammes umgebracht. Die Presse habe sich selbst zensiert.

Am Montag ist die mutige Stimme von Bischof Mario del Valle Moronta Rodríguez verstummt. Wer kann in Venezuela in seine Fußstapfen treten? Moronta hinterlässt eine riesige Lücke. Oppositionsführerin María Corina Machado schrieb: “Sein Vermächtnis des Dienstes, der Liebe und des Engagements für die Schwächsten wird für immer in unseren Herzen weiterleben.”

Tobias Käufer (KNA), Sandra Weiß (Adveniat)