Start der Weltklimakonferenz COP30 in Brasilien –
Kipppunkte und Hoffnungszeichen
Die Staats- und Regierungschefs aus allen Teilen der Welt haben bereits in Brasilien Station gemacht für die Weltklimakonferenz, die am Montag in Belém im Amazonasbecken startet. Auf der bis zum 21. November dauernden Konferenz wollen Tausende Delegierte über weitere Maßnahmen zum Klimaschutz beraten. Grundlage ist das vor zehn Jahren abgeschlossene Klimaabkommen von Paris. Die Konferenz an der Mündung des Amazonas bietet die Chance zum unmittelbaren Dialog mit den ursprünglichen Völkern. Für Adveniat ist dieser Dialog die Grundlage für die Arbeit. Deshalb hat Adveniat unter dem Leitwort „Rettet unsere Welt – Zukunft Amazonas“ die Unterstützung der Indigenen und den Schutz des Amazonas ins Zentrum der diesjährigen Weihnachtsaktion gestellt.
Adveniat-Hauptgeschäftsführer Pater Martin Maier über die COP30 in Belém.
Wo steht die Welt aktuell beim Klimaschutz?
Wissenschaftler befürchten, dass sich die Erde trotz der bisherigen Anstrengungen in Sachen Klimaschutz auf deutlich über 2 Grad, vielleicht sogar 3 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts erwärmen wird. Folgen sind schon jetzt spürbar – etwa durch eine Zunahme von extremen Wetterereignissen wie dem Hurrikan “Melissa”, der vor einigen Tagen mit Windgeschwindigkeiten von rund 200 Stundenkilometern auf Kuba und Jamaika traf.
Je mehr die Durchschnittstemperatur steigt, desto größer ist laut Angaben von Forschern die Gefahr, dass Kipppunkte erreicht werden. Damit werden Veränderungen bezeichnet, die nur noch schwer oder gar nicht mehr rückgängig gemacht werden können.
Das vergangene Jahr war laut Deutschem Wetterdienst das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Anstieg der globalen Jahresdurchschnittstemperatur betrug 1,6 Grad und lag damit erstmals für ein ganzes Jahr über dem vom Pariser Klima-Abkommen definierten Schwellenwert von 1,5 Grad.
Was steht bei der Weltklimakonferenz im brasilianischen Belem auf der Agenda?
Im Zentrum steht, wie bei den vorangegangenen Konferenzen der Vertragsstaaten – englisch: Conference of the Parties, kurz COP -, die Frage, wie sich die CO2-Emissionen möglichst zügig senken lassen. Dazu legen die Länder Selbstverpflichtungen vor, Nationally Determined Contributions (NDC) genannt. Die bisher gemachten Zusagen werden allerdings nicht ausreichen, um bei der in Paris vorgegebenen Marke von 1,5 Grad Temperaturanstieg zu landen, sagt der Direktor der Münchner Klimaversicherungsinitiative MCII und Leitende Wissenschaftler am Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit der UN-Universität in Bonn, Sönke Kreft.
Im aktuellen “Emissions Gap Report” des UN-Umweltprogramm UNEP liest sich das Ganze so: Würden alle Länder ihre Emissionen wie angekündigt reduzieren, rechnen die Experten mit einem Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur von 2,3 bis 2,5 Grad. Im Vorjahr gingen die Prognosen noch von 2,6 bis 2,8 Grad aus.
Einer der vielen noch offenen Punkte ist die Finanzierung von Maßnahmen zum Klimaschutz. Bei der vergangenen Weltklimakonferenz einigten sich die Delegierten darauf, dass dafür vor allem aus den Industrienationen 300 Milliarden US-Dollar pro Jahr fließen sollen. Die Regeln dafür sind aber offenbar zu vage. Außerdem reicht das Geld nicht aus, um beispielsweise bereits entstandene Verluste und Schäden auszugleichen. Konkret muss laut Wissenschaftler Kreft eine Finanzierungslücke von 1,3 Billionen US-Dollar geschlossen werden.
“Es geht um Geld, um Unterstützung und darum, wie die internationalen Zusagen beim Klimaschutz, bei der Anpassung und beim Umgang mit Schäden und Verlusten eingehalten werden können”, fasst die Klima-Expertin von Misereor, Anika Schroeder, die Lage zusammen. Dahinter stehe eine große politische Auseinandersetzung: “Wie kann Klimaschutz so gestaltet werden, dass er auch soziale Gerechtigkeit fördert – also eine gerechte Transformation hin zu einer klimafreundlichen Wirtschaft gelingt?”
Gibt es auch positive Entwicklungen?
Ohne das Pariser Abkommen und weitere Maßnahmen stünde die Welt nach Ansicht von Fachleuten im Kampf gegen den Klimawandel noch schlechter da als heute. Es gibt Hochrechnungen, wonach die Erde ohne die bisherigen Anstrengungen auf eine globale Erwärmung von bis zu 4 Grad zusteuern würde.
Echte Zuversicht verbreitet beispielsweise eine Studie der Energy and Climate Intelligence Unit in London. Demnach wird Strom inzwischen zu 41 Prozent aus nicht-fossilen Quellen erzeugt. Das ist doppelt so viel wie das britische Mineralölunternehmen BP vor zehn Jahren für das Jahr 2035 vorhersagte. Die weltweite Kapazität an Solarstrom hat sich den Angaben zufolge seit 2015 vervierfacht. Das Wachstum in diesem Bereich übertraf Prognosen der Internationalen Energieagentur IEA für diesen Zeitraum um 1.500 Prozent.
Zu den oft komplexen und für Laien schwer zu durchschauenden Verhandlungen auf den alljährlich stattfindenden Weltklimakonferenzen sieht der UN-Wissenschaftler Sönke Kreft keine Alternative. Nur hier würden kleine, vom steigenden Meeresspiegel bedrohte Inselstaaten mit den großen Industrienationen auf Augenhöhe sprechen. “Es funktioniert”, sagt Kreft über die Gespräche unter dem Dach der UN – und fügt einschränkend hinzu: “Aber es funktioniert noch nicht gut genug.”
Autor: Joachim Heinz (KNA)/ Red.
Adveniat Weihnachtsaktion 2025
Rettet unsere Welt – Zukunft Amazonas
Der weltweite Hunger nach Rohstoffen, Holz und Fleisch zerstört die Lebengrundlage der indigenen Völker am Amazonas und erstickt die Lunge der Welt. Gemeinsam mit den Partnerorganisationen vor Ort unterstützt Adveniat indigene Gemeinschaften dabei, ihre Rechte zu schützen und den zerstörerischen Eingriffen von Konzernen und Regierungen entgegenzuwirken. Die indigenen Völker leben im Einklang mit der Natur und sind damit die wahren Umweltschützer und Klimaretter. Unter dem Leitwort „Rettet unsere Welt – Zukunft Amazonas“ ruft Adveniat dazu auf, sich an die Seite der Menschen zu stellen, die für die Bewahrung des Amazonas als gemeinsames Haus und als globale Grundlage für zukünftige Generationen einstehen – oft unter Einsatz des eigenen Lebens.


