Schwester Marta Iris
In den von Armut geprägten Vierteln der honduranischen Hauptstadt Tegucigalpa sind Kriminalität, Gewalt und Arbeitslosigkeit an der Tagesordnung. Es herrscht das Recht des Stärkeren, und das sind in der Regel die Männer. Wäre da nicht Schwester Marta Iris López Castillo.

Schwester Marta Iris verliert auch im Trubel nie die Ruhe. Foto: Florian Kopp/Adveniat
Geheimrezept für starke Frauen
In einem kleinen Backsteinhaus mit heimeligem Innenhof lebt Marta Iris mit zwei weiteren Ordensschwestern. Dahinter steht eine kleine Kirche, die heute als Konditorei dient. Es ist der Tag des „Torten-Kriegs“ – der traditionelle Abschluss des Konditoreikurses. Auch mitten im Trubel verliert Schwester Marta Iris nie die Ruhe. Sie besorgt rote Schleifchen, die einer Kandidatin fehlen, tröstet ein kleines Kind, das im Chaos hingefallen ist. „Vielen von euch sind Missgeschicke passiert, manchen ist der Biskuit zerbröselt, bei anderen färbte sich die Torte anders als erwartet. Aber ihr habt den Widrigkeiten getrotzt. Das ist wahrer Unternehmergeist“, lobt sie die Frauen.

Schwester Marta Iris eröffnet den „Torten-Krieg“ . Foto: Adveniat/Florian Kopp
Das vom Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat finanzierte Projekt ermöglicht misshandelten Frauen ein neues Leben. Neben den berufsbildenden Kursen wie Kosmetik, Bäckerei oder Schneiderei geht es vor allem auch um psychologische Trauma-Aufarbeitung und Fortbildung in Frauenrechten und politischer Teilhabe.
Gewalt gegen Frauen ist in der machistisch geprägten Gesellschaft weit verbreitet: Rund 80 Prozent aller Frauen werden psychisch, verbal, körperlich oder sexuell misshandelt. Allein im Jahr 2025 wurden über 220 Frauen von ihren Partnern ermordet. Honduras hat eine der höchsten Femizidraten Lateinamerikas.
Eine dieser Frauen, die Gewalt durch ihren Partner erlebt hat, ist Beatriz Mendoza. Sie war mit einem Alkoholiker verheiratet. Als er sie eines Tages im Rausch fast totschlug, floh sie ins staatliche Frauenhaus. „Ich musste komplett von vorne anfangen mit vier kleinen Kindern“, erzählt die heute 50-Jährige. Sie besuchte einen Kurs über Mikrofinanzen. Heute ist sie stolze Besitzerin eines Tante-Emma-Ladens und Mentorin im Projekt. „Ich kam als Wrack, zerstört, verunsichert und mutlos“, erinnert sie sich. „Schwester Marta Iris hat mir verständnisvoll zugehört wie sonst niemand in meinem Leben. Nach und nach konnte ich meine Wunden heilen.“
Text: Sandra Weiss, Fotos: Florian Kopp

Beatriz Mendoza hat ihren kleinen Laden selbst aufgebaut. Foto: Adveniat/Florian Kopp

