Rechtskonservativer gewinnt Wahlen in Chile
Rechtsruck in Lateinamerika setzt sich fort
In Chile gewann der rechtskonservative Jose Antonio Kast (59) mit 58,2 Prozent der Stimmen die Stichwahl gegen die Vertreterin des linken Regierungslagers, Jeannette Jara (51), die 41,8 Prozent der Stimmen auf sich vereinen konnte. Jara zeigte sich als faire und verantwortungsvolle Verliererin, gratulierte Kast persönlich und wünschte ihm eine erfolgreiche Präsidentschaft.

Der Schreibtisch im Präsidentenpalast La Moneda. Foto: Adveniat/Matthias Hoch
Als Kast, Sohn eines nach Chile ausgewanderten deutschen Wehrmachtsoffiziers, während seiner Siegesrede auf Jara zu sprechen kam, forderte er seine Anhänger auf, Buhrufe und Pfiffe zu unterlassen. Nur ein respektvoller Umgang mit jenen, die politisch eine andere Meinung vertreten, garantiere eine funktionierende Gesellschaft. “Mit Jeannette Jara haben wir Differenzen”, sagte Kast: “Wir können heftige Differenzen haben, aber wenn Gewalt vorherrscht, ist es sehr schwer, voranzukommen.”
Kast hatte einen klassischen Law-and-Order-Wahlkampf geführt. Er wolle die Alltagskriminalität in den Griff bekommen und die illegale Migration beenden, hatte er immer wieder betont. Migranten, die sich ohne gültige Aufenthaltspapiere in Chile aufhielten oder sich nicht an die Gesetze hielten, müssten das Land verlassen.
Die katholische Bischofskonferenz der Anden-Nation ging bei diesem Thema auf Distanz zu Kast: “Wir sind besorgt über die zunehmende Verunglimpfung von Migranten und schutzbedürftigen Menschen und bekräftigen unser Engagement für das Leben, die Menschenwürde und den Schutz der Schwächsten.”
Rechtsruck in Lateinamerika
Mit dem Erfolg von Kast rückt ein weiteres lateinamerikanisches Land nach rechts: Erst vor wenigen Wochen hatte der Christdemokrat Rodrigo Paz nach fast zwei Jahrzehnten sozialistischer Regierung in Bolivien gewonnen. In Honduras ist die Kandidatin des linksgerichteten Regierungslagers Rixi Moncada abgestraft worden, und in Argentinien bestätigten die Wähler bei den nationalen Parlamentswahlen den wirtschaftsliberalen Reformkurs des libertären Präsidenten Javier Milei. In Südamerika wird nun das sogenannte “Lithium-Dreieck” bestehend aus Argentinien, Bolivien und Chile erstmals seit 20 Jahren wieder ausnahmslos von wirtschaftsliberalen Regierungen regiert.
Die ersten Gratulationen kamen aus Argentinien und aus den USA: Argentiniens Präsident Javier Milei sieht Chile als einen “neuen Leuchtturm der Freiheit”. US-Vizeaußenminister Christopher Landau, der früher Botschafter in Chile war, schrieb: “Der heutige Tag ist ein weiterer Beweis für die Vitalität der chilenischen Demokratie.”
Harte Kritik gab es dagegen von Kolumbiens Präsident Gustavo Petro: “Der Faschismus schreitet voran, ich werde niemals einem Nazi die Hand reichen, und einem Sohn eines Nazis auch nicht; sie sind der Tod in Menschengestalt.”

