Jede dritte Frau unter 50 Jahren von Gewalt betroffen
Internationaler Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen
Fast jede dritte Frau zwischen 15 und 49 Jahren war oder ist in ihrem Leben von partnerschaftlicher oder sexueller Gewalt betroffen. Diese Zahl sei seit dem Jahr 2000 kaum gesunken, so ein Bericht der Weltgesundheitsorganisation WHO und UN-Partnern. Weltweit sind in der Altersgruppe rund 840 Millionen Frauen betroffen, wie aus den anlässlich des Internationalen Tags zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen am 25. November veröffentlichten Zahlen hervorgeht. Adveniat steht fest an der Seite der Frauen in Lateinamerika und unterstützt seit Jahren Initiativen, die Frauen ermächtigen, ihre Rechte zu erkennen und ihre Lebensbedingungen zu verbessern. Förderung von Frauen und die Stärkung ihrer Rolle in der Gesellschaft wird auch Thema der Adveniat-Weihnachtsaktion 2026 sein.

In Schulungen und Selbsthilfegruppen stärken Frauen ihr Selbstwertgefühl, lernen Gewalt zu erkennen und welche Rechte sie haben. Foto: AMMVZ
2023 seien 11 Prozent (316 Millionen) der Frauen ab 15 Jahren körperlicher oder sexueller Gewalt durch einen Intimpartner ausgesetzt gewesen. Als “äußerst langsam” bezeichnete die WHO den jährlichen Rückgang der Fälle von rund 0,2 Prozent. Allein 12,5 Millionen Mädchen und Frauen zwischen 15 und 19 Jahren seien bereits Opfer von Gewalt durch ihren Partner geworden – ein Anteil von 16 Prozent in der Altersklasse.
Körperliche oder sexuelle Gewalt durch einen Nicht-Partner hätten 263 Millionen Frauen erfahren. Die Zahl liege wegen Stigmatisierung und Angst vermutlich deutlich höher, hieß es. Für betroffene Frauen steige das Risiko einer ungewollten Schwangerschaft, für sexuell übertragbare Infektionen und Depressionen.
“Gewalt gegen Frauen ist eine der ältesten und am weitesten verbreiteten Ungerechtigkeiten der Menschheit, dennoch wird dagegen immer noch am wenigsten unternommen”, erklärte WHO-Generalsekretär Tedros Adhanom Ghebreyesus. Diese Gewalt zu beenden, sei nicht nur eine Frage der Politik, sondern auch der Würde, der Gleichberechtigung und der Menschenrechte. “Keine Gesellschaft kann sich als fair, sicher oder gesund bezeichnen, wenn die Hälfte ihrer Bevölkerung in Angst lebt.”

“Frauen durchbrechen Barrieren” steht auf dem Banner der Frauen, die an einem von Adveniat geförderten Projekt teilnehmen. Foto: AMMVZ
Die Ursachen von Gewalttaten in Lateinamerika liegen in ungleichen Geschlechterverhältnissen, festgefahrenen Rollenbildern in der Gesellschaft und Machismo – einem übersteigerten Gefühl männlicher Überlegenheit. Oft betrachten Männer Frauen als Besitz und versuchen, ihre Kontrolle über sie mit Gewalt zu sichern. Vertritt eine Frau eine eigene Meinung oder droht der Verlust dieser Kontrolle, etwa bei einer Trennung, eskaliert die Gewalt bis hin zum Mord. Auf die wenigsten Gewalttaten folgen jedoch Konsequenzen, da viele Frauen über ihre Gewalterfahrungen schweigen oder sie als normal hinnehmen.
Adveniat fördert deshalb zahlreiche Projekte, die Frauen in ihren Rechten stärken, was es ihnen ermöglicht, ihre Stimme zu erheben und geschlechtsspezifische Gewalt zu erkennen und anzuprangern. Schulungen, Selbsthilfe- und Chatgruppen bieten ihnen die Möglichkeit, sich zu vernetzen und einander zu stärken. In akuten Fällen von Gewalt können sich Betroffene an Telefonhotlines und Anlaufstellen der Adveniat-Partnerorganisationen wenden und erhalten psychosoziale Unterstützung und juristischen Beistand. Gleichzeitig schaffen von Adveniat geförderte Bildungsprogramme, berufliche Trainings und Stipendien neue Perspektiven. Sie bieten Frauen nicht nur ökonomische Chancen, sondern auch sichere Räume, in denen sie ihre Stärken entdecken und Selbstvertrauen aufbauen können.
„In unserem Stadtteil sind Femizide ein großes Problem. Viele Frauen erleiden Gewalt, aber trauen sich nicht, sie anzuzeigen, weil Patriarchat und Abhängigkeiten zu stark sind. Zu sehen, wie sich die Frauen hier in unserem Projekt organisieren, macht mir jedoch Hoffnung.”


