
Foto: Adveniat/Florian Kopp
Ana González – „Mut steckt an!“
Ana González stammt aus der indigenen Gemeinde Zinacantán in Mexiko. Wenn sie sich an ihre Kindheit erinnert, fühlt sie wieder die ständige Angst: Ein prügelnder, alkoholsüchtiger Vater, fünf Geschwister, Geldsorgen und Hunger. Mit sieben Jahren bekam sie ihren ersten mobilen Webrahmen, der am Rücken befestigt wird. „Als indigene Frau musst du weben können, denn sonst hat deine Familie nichts zum Anziehen, und du bist nichts wert für einen Mann“, wurde ihr eingetrichtert. Die schüchterne Ana gehorchte.

Foto: Adveniat/Florian Kopp
Schwester Marta Iris López – „Aufstehen. Weitermachen.“
Germania gehört zu den Vierteln um Honduras‘ Hauptstadt Tegucigalpa, die in den vergangenen 50 Jahren aus dem Boden geschossen sind. Kriminalität, Gewalt, Armut und Arbeitslosigkeit sind Alltag in Germania. Der Staat macht sich rar und überlässt die Menschen ihrem Schicksal. Es herrscht das Recht des Stärkeren, und das sind in der Regel die Männer. Hier, hinter einem unscheinbaren Metalltor, versteckt sich das Reich von Schwester Marta Iris López Castillo. In einem kleinen Backsteinhaus mit heimeligem Innenhof lebt sie mit zwei weiteren Ordensschwestern.

Foto: Adveniat/Achim Pohl
Lucero Guillén – „In der Dunkelheit sehen wir das Licht“
Eine Thermoskanne voller Kaffee darf nicht fehlen, wenn Lucero Guillén morgens um 4 Uhr aufbricht, um indigene Gemeinschaften zu besuchen, die im peruanischen Amazonasgebiet jenseits von Straßen, Wasserversorgung und Krankenhäusern leben. Eineinhalb Tage ist sie unterwegs, um die indigenen Gemeinschaften zu erreichen.

Foto: Adveniat/Achim Pohl
Ana Maria* – „Trau dich, frei zu sein.“
Ana Maria gehört zum Volk der Wampis. Eine zierliche 50-Jährige indigene Frau mit kräftiger Stimme. Acht Jahre lang war sie von einem Ölkonzern angeklagt und fürchtete um ihre Freiheit. Das Gebiet der Wampis liegt im Amazonasgebiet von Peru. In den 1970er Jahren verlegte die staatliche Erdölgesellschaft Petroperu ohne die Erlaubnis der Wampis eine Pipeline durch ihr Gebiet. 2016 brach diese am oberen Flusslauf. Die schwarze Brühe schwappte in eine Lagune und von dort in den Fluss. „Unser Fluss wurde vergiftet. Unsere Fische starben. Tiere und Insekten verendeten. Unsere Felder litten, unsere Quellen wurden verseucht. Unser Leben war bedroht“ berichtet Ana Maria.

Foto: Adveniat/Matthias Hoch
Briseida Iglesias – „Meine Seele ist unverkäuflich“
Briseida Iglesias ist 1,50 Meter groß, 65 Jahre alt, zartgliedrig. Sie gehört zum Volk der Kuna, ist eine Gelehrte dieser Traditionen und gleichzeitig praktizierende Christin, Modeschöpferin und engagierte Kämpferin für die Kultur und Rechte ihres Volkes.

Foto: Adveniat/Florian Kopp
Schwester Elis dos Santos, „Wo wir uns verbinden, wächst Zukunft.“
„Wo wir uns verbinden, wächst Zukunft“, sagt Schwester Elis dos Santos. Sie lebt am Rand der Millionenmetropole Manaus in Brasilien, umgeben von tropischem Regenwald und weitläufigen Gewässern. Trotz dieser Nähe zur Natur fehlen am Stadtrand, wo ein Großteil der Bevölkerung in Armut und vereinzelt lebt, saubere Gewässer und Grünflächen. Hier verändert die 37-Jährige ihr Viertel: „Wir wollen eine bessere Zukunft für die Menschen hier gestalten – ohne Armut, Vereinzelung und Umweltzerstörung.“

Foto: Adveniat/Florian Kopp
Andrea Zardoya – „Wer sich selbst liebt, kann Liebe schenken.“
„Wir müssen erst unsere eigenen Verletzungen heilen, bevor wir anderen und unseren Kindern Liebe schenken können“, sagt Therapeutin Andrea Zardoya. Das sei besonders wichtig für Menschen, die Verantwortung für andere tragen, etwa Mütter oder Erzieherinnen und Erzieher. 2019 gründete sie gemeinsam mit Paola Cassaigne in Mexiko-Stadt eine Organisation zur Unterstützung traumatisierter Frauen. Ihre Grundidee: Nur psychisch stabile Menschen können Gewaltmuster erkennen und durchbrechen.

Foto: Adveniat/Mareille Landau
Sahily Moreno – „Vertrauen. Zutrauen. Veränderung.“
Ihre Turnschuhe versinken im Sand, die Sonne brennt auf der Haut. Sahily Moreno stapft über einen schmalen Pfad auf einer Düne über Perus Hauptstadt Lima. Vor ihr erstreckt sich ein Meer aus Hütten. Manche mit Pappwänden, andere bunt gestrichen, alle mit Wellblechdach und von einer dicken Staubschicht bedeckt. Irgendwo dort unten, wo die Straßen asphaltiert sind, steht das Haus, in dem die 25-Jährige mit ihren Eltern wohnt. Hier oben ist nichts asphaltiert. Hierhin kommt niemand einfach so.

