Kuba: Lange Schlangen, Unterernährung und Erschöpfung
Ein US-amerikanischer Bischof beschreibt nach seinem Besuch die Lage als dramatisch
Ein Leben im Mangel: Auf Kuba ist das längst Alltag. Jetzt verschärfen die USA mit ihrer Ölblockade die katastrophale Versorgungslage weiter. Bischof Manuel de Jesus Rodríguez hat nach seinem Besuch der Karibikinsel einen offenen Brief geschrieben, der am Wochenende auf der Homepage der katholischen Kirche in Florida veröffentlicht wurde: Er habe eine Realität gesehen, die er nicht vergessen könne, und über die er nicht schweigen dürfe. In Kuba sei die Beschaffung von Lebensmitteln heute keine Selbstverständlichkeit mehr, sondern ein täglicher Kampf.

Treibstoffmangel und Stromausfälle sind nur einige der Folgen des Ölembargos (Symbolbild). Foto: Adveniat/Martin Steffen
Weiter hieß es im Schreiben des Bischofs von Palm Beach, Familien stünden jeden Morgen auf, ohne Gewissheit zu haben, ihre Kinder ernähren zu können. „Lange Schlangen ziehen sich stundenlang unter der Sonne hin und enden oft in Enttäuschung.” Rodríguez verwies auch auf die gesundheitlichen Folgen wie Unterernährung. Diese könne nicht mehr verborgen werden, sondern zeige sich in den Gesichtern der Kinder, in der Gebrechlichkeit der Älteren, in der stillen Erschöpfung der Eltern.
Die Lage im Gesundheitswesen bezeichnete Rodríguez als alarmierend. Krankenhäusern und Kliniken fehlten die elementarsten Vorräte und Medikamente, Behandlungen würden sich so verzögern oder ganz ausfallen. “Krankheiten, die anderswo leicht zu behandeln wären, werden in Kuba zu einer schweren und manchmal unerträglichen Last. Die Kranken leiden still und allzu oft ohne angemessene Versorgung.”
Das habe er auch bei Gesprächen mit Menschen erlebt und in ihren Augen gesehen. Rodríguez bezeichnete es als “wachsendes, erdrückendes Gefühl der Hoffnungslosigkeit”.
Der Bischof warnte vor Gleichgültigkeit, die nicht nur ein Versagen der Nächstenliebe, sondern auch des Gewissens wäre. “Wir sind keine Zuschauer. Wir sind Nachbarn. Kuba schreit um Hilfe.” Es brauche daher Solidarität mit dem kubanischen Volk.
Autor: Tobias Käufer (KNA)/ Adveniat

