Klimakrise – und was tut die Kirche?
Klimaforscher Ottmar Edenhofer im Podcast „Lebensfragen“
Professor Ottmar Edenhofer aus Potsdam ist einer der führenden Experten für die Ökonomie des Klimawandels. Er war einer der Berater von Papst Franziskus in Vorbereitung der Umwelt-Enzyklika Laudato Si‘, die der Papst im Jahr 2015 veröffentlicht hat. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf und die Journalistin Anja Schneider sprechen mit ihm über das Thema: „Klimakrise – und was tut die Kirche?“.

Professor Ottmar Edenhofer ist Direktor am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Foto: PIK/ Ausserhofer
Derzeit tagt die 30. Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen (COP30) im brasilianischen Belém. Edenhofer richtet jedoch keine allzu großen Erwartungen an die Versammlung. „Diese Konferenzen sind wichtig, aber ich glaube nicht, dass es einen Durchbruch geben wird. Aber es wäre gut, wenn wir ein paar belastbare Schritte in Richtung der Umsetzung dessen, was bisher beschlossen wurde, gehen könnten“, sagt er.
Der weltweite Kampf gegen Armut und der Einsatz gegen Klimawandel müssen aus Sicht des Forschers stärker miteinander verknüpft werden. Durch eine “kleine Gebühr” auf internationalen Flug- und Schiffsverkehr sowie auf Öl und Gas seien jährlich 200 Milliarden US-Dollar einzunehmen, sagt er. “Über zehn Jahre hinweg wären das 2.000 Milliarden.” Das sei das Doppelte dessen, was als Ziel bei der laufenden Weltklimakonferenz COP30 im brasilianischen Belém verhandelt werde. Diese 200 Milliarden Dollar sollten für die Energie- und Trinkwasserversorgung sowie Infrastruktur in ärmeren Staaten verwendet werden. Das wäre auch im Interesse der reichen Länder – und mit diesem Modell ließen sich ökonomische und ökologische Fragen “auf eine sehr kluge Art und Weise miteinander verbinden”, so der Wissenschaftler, der auch einer der Berater von Papst Franziskus in Vorbereitung der Umwelt-Enzyklika Laudato Si‘ war.
“Diese Enzyklika hat die Haltung innerhalb der Kirche sehr verändert”
Zur Bedeutung der Enzyklika Laudato Si‘ sagt Bischof Kohlgraf: „Es ist ein christlicher Auftrag, Verantwortung zu übernehmen für die Schöpfung, und sie im Sinne Gottes mit zu gestalten. Deswegen spricht der Papst damit ein zentrales Thema christlichen Lebens an. Und ich hoffe, er hat viele motiviert, sich mit auf diesen Weg zu machen.“
Bei der Entstehung von Laudato Si‘ waren Klimaforscher und andere Forscher mit eingebunden. Auch Edenhofer hat Papst Franziskus dazu beraten. Zur Bedeutung des päpstlichen Lehrschreibens sagt er: „Diese Enzyklika ist bemerkenswert, weil sie die Haltung innerhalb der Kirche sehr verändert hat. Vor Laudato Si‘ hatten auch Katholiken in hohem Maße bezweifelt, dass der menschengemachte Klimawandel ein wichtiges Thema ist. Als Papst Franziskus sich entschlossen hat, diese Enzyklika zu schreiben, hat er auf die Erkenntnisse des Weltklimarates Bezug genommen. Er hat sie auf der Basis des besten wissenschaftlichen Wissens formuliert.
Und damit sozusagen den Krieg zwischen Religion und Wissenschaft beendet.“
Kohlgraf: „Wie groß die Bedeutung der Enzyklika ist, ist mir erst im Nachhinein richtig klargeworden. Vielleicht auch gerade deswegen, weil sie auch außerhalb der Kirche sehr beachtet wurde. Ich merke in vielen Bereichen, die mich heute als Bischof sehr beschäftigen, wie sehr diese Enzyklika die einzelnen Themen miteinander verbindet. In meinen Augen hat der Papst da etwas sehr Prophetisches geschrieben.“
Um der Verantwortung zur Bewahrung der Schöpfung gegenüber gerecht zu werden, setzt das Bistum Mainz auch vor Ort immer wieder Akzente. Zum Beispiel mit der Eröffnung der bundesweiten Adveniat-Weihnachtsaktion unter dem Motto „Rettet unsere Welt – Zukunft Amazonas“, die in diesem Jahr am ersten Advents-Sonntag, 30. November, um 10.00 Uhr in Mainz stattfinden wird. Von Donnerstag, 27. November, bis Sonntag, 30. November, sind Adveniat-Partnerinnen und -Partner aus Brasilien im Bistum Mainz unterwegs. Sie berichten von ihren Erfahrungen mit den Auswirkungen der Klimakrise und über dessen soziale Folgen. Auch Professor Edenhofer wird bei einigen Veranstaltungen dabei sein.
Adveniat Weihnachtsaktion 2025
Rettet unsere Welt – Zukunft Amazonas
Der weltweite Hunger nach Rohstoffen, Holz und Fleisch zerstört die Lebengrundlage der indigenen Völker am Amazonas und erstickt die Lunge der Welt. Gemeinsam mit den Partnerorganisationen vor Ort unterstützt Adveniat indigene Gemeinschaften dabei, ihre Rechte zu schützen und den zerstörerischen Eingriffen von Konzernen und Regierungen entgegenzuwirken. Die indigenen Völker leben im Einklang mit der Natur und sind damit die wahren Umweltschützer und Klimaretter. Unter dem Leitwort „Rettet unsere Welt – Zukunft Amazonas“ ruft Adveniat dazu auf, sich an die Seite der Menschen zu stellen, die für die Bewahrung des Amazonas als gemeinsames Haus und als globale Grundlage für zukünftige Generationen einstehen – oft unter Einsatz des eigenen Lebens.


