Hungersnot in Haiti – Adveniat-Chef berichtet in Tagesschau24
Die Hälfte der Bevölkerung ist unterernährt, 1,3 Millionen Menschen sind obdachlos. Hinter vielen anderen Krisen weltweit gerät Haiti in Vergessenheit. Die Entwicklung in dem Inselstaat ist dabei katastrophal, berichtet Adveniat-Hauptgeschäftsführer Pater Martin Maier, der jüngst zu einem Austausch mit Haitianischen Bischöfen in Miami war.
Quelle: tagesschau24
In Haiti sind nach UN-Angaben immer mehr Menschen von Hunger bedroht. Die Zahl derjenigen, die von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen sind, sei innerhalb eines halben Jahres um 130.000 auf rund 5,8 Millionen gestiegen. Das entspricht etwa 52 Prozent der Gesamtbevölkerung des Inselstaates, wie das Welternährungsprogramm WFP mitteilte. Rund 1,8 Millionen Menschen seien dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen.
„Es ist mittlerweile nicht mehr zu verstehen, wie die Menschen in Haiti noch überleben können“, sagt Adveniat-Hauptgeschäftsführer Pater Martin Maier. Hilfe zu leisten sei schwierig. Die “Republik der NGOs”, als die Haiti oft bezeichnet wurde, zieht sich angesichts der Gewalt teilweise zurück, während die verbleibenden Hilfswerke unter extremen Risiken weiterarbeiten.
Adveniat bleibt an der Seite der Menschen
Doch auch Adveniat bleibt an der Seite der Menschen. „Wir kommen über die Caritas, die Ordensgemeinschaften und über die Gemeinden auch dorthin, wo sonst Hilfsorganisationen keinen Zugang mehr haben und können dort Hilfe leisten“, erklärt Pater Maier. „Wir haben vor Ort Projekte, in denen Kindern eine Schulspeisung ermöglicht wird oder auch medizinische Projekte. Das ist neben der Ernährung eine große Notwendigkeit, weil Medikamente knapp sind“, so der Adveniat-Chef.
Und es gehe vor allem auch um die jungen Menschen, die keine Zukunftsperspektive haben. „Ihnen müssen wir einen Schulbesuch ermöglichen“, sagt Maier. Großes Problem: Die kriminellen Banden rekrutieren diese Jugendlichen und machen ihnen Angebote. „Und wenn die jungen Menschen hungern, wenn sie keine Lebensperspektive haben, lassen sie sich auf diese Lockangebote ein. Da müssen wir gegensteuern und dabei ist vor allem Bildung ein Schlüssel.“
Haiti wird immer wieder von Krisen und Gewalt erschüttert und gilt als ärmstes Land der westlichen Hemisphäre. Fortschritte, die zuletzt erzielt werden konnten, seien durch steigende Treibstoff- und Lebensmittelpreise gefährdet, erklärte die WFP-Landesdirektorin Wanja Kaaria. “Besonders gefährdete Familien könnten dadurch noch tiefer in die Krise gedrängt werden – mit destabilisierenden Folgen für das ganze Land.” Die Bekämpfung des Hungers sei entscheidend dafür, die Stabilität in Haiti wiederherzustellen. Das WFP beziffert seinen Finanzbedarf dabei auf 332 Millionen US-Dollar (282 Millionen Euro).
Adveniat-Chef: “Veränderungen müssen aus dem Innern Haitis kommen”
„Die Menschen in Haiti brauchen erst einmal Nahrung“, bestätigt Adveniat-Chef Maier. „Sie brauchen aber auch Sicherheit und das ist eine politische Frage. Es soll eine neue Militärmission für Haiti eingerichtet werden.“ Die vorhergehende habe ziemlich versagt.
„Veränderungen müssen aus dem Innern Haitis kommen“, so Pater Maiers Einschätzung. „Und es geht darum, die sozialen und politischen Strukturen Haitis neu aufzubauen. Der Staat hat das Gewaltmonopol über ein Drittel des Landes verloren. Es sollen in diesem Jahr Wahlen stattfinden, aber ich habe gerade von einem Bischof in der Versammlung gehört, dass er sehr skeptisch ist, ob das möglich sein wird.“ Es sei ein langfristiges Projekt, bei dem es darum geht, Rechtsstaatlichkeit wieder herzustellen. „Wir versuchen von Adveniat aus dabei zu unterstützen, die Voraussetzungen für ein funktionierendes Staatswesen in Haiti mitzugestalten“, sagt Adveniat-Hauptgeschäftsführer Pater Martin Maier. (tagesschau24/kna/adv)

