Gefängnisrevolte erschüttert Guatemala

In Zusammenhang mit einer Meuterei fordern die Häftlinge den Rücktritt von Präsident Arévalo. Menschenrechtler vermuten in dem Vorgang einen Versuch, das Land insgesamt zu destabilisieren.

Auf dem Bild sieht man Fenster von einem Gefängnis von Außen. Häftlinge strecken ihre Arme durch die Gitterstäbe.

Bei den Unruhen forderten Gefängnisinsassen dem Augenschein nach bessere Haftbedingungen. Doch es wurden Stimmen laut, dass es in Wirklichkeit um alte Privilegien geht, die ihnen von der aktuellen Regierung entzogen wurden. Foto: Adveniat/Bastian Bernhardt

Zehn getötete Polizisten, das Land im Ausnahmezustand und ein Präsident, der unter Druck steht: Im mittelamerikanischen Guatemala sorgt ein Gewaltausbruch für Aufsehen. Erste Ermittlungen deuten laut der Zeitung “Prensa Libre” darauf hin, dass die Mara-Bande “Barrio 18” von Aldo Dupie Ochoa, genannt “El Lobo”, dafür verantwortlich ist. “Die Welle der Gewalt hat deutlich gemacht, wie mächtig die Banden in Guatemala nach wie vor sind”, kommentierte die britische BBC. “Barrio 18” liefere sich mit dem ewigen Rivalen Mara Salvatrucha 13 (MS-13) einen Krieg um die Vorherrschaft auf den Straßen von Guatemala-Stadt und im ganzen Land.

Krieg um die Vorherrschaft auf den Straßen Guatemalas

Bei den Unruhen forderten Insassen von Untersuchungsgefängnissen dem Augenschein nach bessere Haftbedingungen. In Wirklichkeit, so vermutet Nery Rodenas vom Menschenrechtsbüro des Erzbistums Guatemala-Stadt, ging es aber “um Privilegien, die sie seit vielen Regierungsperioden genossen hatten und die ihnen nun offenbar von der aktuellen Regierung entzogen wurden”, so der Anwalt.

Nachdem Sicherheitskräfte die Ausschreitungen unter Kontrolle gebracht und einen der Anführer festgenommen hatten, kam es zu Angriffen auf Streifenwagen der Nationalen Zivilpolizei. Laut offiziellen Angaben stieg die Zahl der getöteten Beamten auf zehn.

Rodenas zufolge deuten Untersuchungen auf politische Motive hin. Dahinter stehe “die Absicht, unser Land zu destabilisieren”. Zu den Forderungen der Häftlinge gehörte demnach der Rücktritt von Guatemalas Präsident Bernardo Arévalo. Dieser verhängte den Ausnahmezustand.

Das Menschenrechtsbüro des katholischen Erzbistums fordert nun von der Regierung, die Vorgänge zu untersuchen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Dabei müsse es auch um mögliche politische Absichten gehen. Allerdings stehen Teile der Staatsanwaltschaft in Guatemala in dem Ruf, den seit Januar 2024 amtierenden sozialdemokratischen Präsidenten schwächen zu wollen. Arévalo hatte den Kampf gegen Korruption zu einer seiner Kernaufgaben gemacht.

Erzbischof ruft zum Ende der mörderischen Gewalt auf

Der Erzbischof von Guatemala-Stadt und Vorsitzende der Guatemaltekischen Bischofskonferenz, Gonzalo de Villa y Vásquez, rief unterdessen zum Gebet “um Frieden und ein Ende der mörderischen Gewalt” auf. Zwischenzeitlich riet er Gläubigen, wegen der unsicheren Lage zu Hause zu bleiben und auch auf Gottesdienstbesuche zu verzichten.

Text: Tobias Käufer/KNA/adv