Freihandel mit Mercosur – Adveniat fürchtet Nachteile für Lateinamerika
Es soll die größte Freihandelszone der Welt werden und dadurch mehr Wohlstand bringen. Adveniat und weitere NGOs befürchten vom EU-Mercosur-Abkommen aber Nachteile für Mensch, Tier und Wälder.

Europa importiert Rohstoffe und Agrarprodukte und flutet gleichzeitig die Länder des Globalen Südens mit seinen weiterverarbeiteten Produkten wie Maschinen, Autos und Luxusartikeln, fürchtet Adveniat-Chef Pater Martin Maier. Foto: Adveniat/Achim Pohl
Die EU-Staaten haben grünes Licht für das Freihandelsabkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Ländern gegeben. Internationale Abkommen zwischen Lateinamerika und Europa seien in Zeiten imperialistischer Großmachtbestrebungen und nationalistischer Abschottungen grundsätzlich ein gutes Zeichen, sagt dazu Adveniat-Hauptgeschäftsführer Pater Martin Maier. Darüber hinaus wirft der Chef des Lateinamerika-Hilfswerks jedoch einen kritischen Blick auf die neue Wirtschaftszone: Das Mercosur-Abkommen atme den Geist alter kolonialer Abhängigkeiten.
“Für die Menschen in Lateinamerika bleiben Armut, Hunger und ausgebeutete Umwelt”
Europa importiere Rohstoffe und Agrarprodukte und flute gleichzeitig die Länder des Globalen Südens mit seinen weiterverarbeiteten Produkten wie Maschinen, Autos und Luxusartikeln. „So verbleiben die Profite in den heute schon reichen Ländern und bei den wenigen Großgrundbesitzern im Süden und multinationalen Rohstoffunternehmen. Für die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung Lateinamerikas bleiben Armut, Hunger und Zerstörung der ausgebeuteten Umwelt“, sagt Pater Maier.

Adveniat-Hauptgeschäftsführer Pater Martin Maier fürchtet Nachteile für Lateinamerika durch das Mercosur-Handeslabkommen. Foto: Adveniat/Achim Pohl
Auch andere Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen äußern sich skeptisch: Das Abkommen sei ein Rückschritt für die Menschenrechte, den Klimaschutz und die südamerikanische Wirtschaft. Dass kein EU-Staat diesbezüglich Einwände gegen das Abkommen hatte, zeige, dass Menschenrechte im Globalen Süden für die EU keine Priorität hätten. Zudem sei das Abkommen nicht fair und begünstige den Ausbau von Monokulturen wie etwa für Soja und den Bergbau in Südamerika. Diese Wirtschaftszweige seien maßgeblich dafür verantwortlich, dass Regenwälder zerstört und indigene Gemeinschaften vertrieben würden. Umweltorganisationen kritisierten überdies, das Abkommen werde die Bemühungen zur Bewältigung der Klimakrise gefährden.
Adveniat-Chef Maier: Beziehung auf Augenhöhe kann gelingen
Adveniat-Chef Pater Maier betont jedoch, dass es positive Beispiele gebe, wie eine Beziehung auf Augenhöhe gelingen kann: 2018 habe Deutschland Bolivien beim Aufbau einer Batteriefabrik unterstützen wollen, anstatt einfach nur Lithium von dort zu importieren. Leider sei das Projekt, das Arbeitsplätze und Entwicklung in Bolivien schaffen sollte, 2019 gestoppt worden und liege bis heute auf Eis. „Der nachhaltige Aufbau eines fairen Wirtschaftens – das ist die Art der Zusammenarbeit, die zwischen Europa und Lateinamerika Schule machen sollte“, sagt Maier.
EU einigt sich nach langen Verhandlungen
Das Abkommen zwischen der EU und den vier Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay wird seit mehr als 25 Jahren verhandelt. Befürworter versprechen sich davon wirtschaftliche Vorteile durch den Abbau von Handelsbarrieren. In der vergangenen Woche trafen sich Vertreter der 27 EU-Staaten in Brüssel – ausreichend viele Länder stimmten dem Vorhaben zu. Nun soll das Abkommen von Vertretern beider Staatengemeinschaften in Paraguay unterschrieben werden. Eigentlich hätte das Abkommen schon kurz vor Weihnachten unterzeichnet werden sollen, damals kam die notwendige Mehrheit unter den EU-Staaten aber noch nicht zustande.
Text: Nicola Trenz, KNA, Adveniat

