COP30 und Gipfel der Völker
Erfahrungsbericht einer indigenen Projektpartnerin

Adveniat-Partnerin Schwester Elis dos Santos hat selbst indigene Wurzeln und war beim Gipfel der Völker, der Gegenveranstaltung zur Weltklimakonferenz in Belém. Hier schildert sie ihre Sichtweise – in einer gekürzten Zusammenfassung ihres Erfahrungsberichts.

Schwester Elis dos Santos ist Projektpartnerin von Adveniat in Brasilien. Foto: Adveniat

Bei der offiziellen COP30 und dem volksnahen Gipfel der Völker konnten wir miterleben, welche Herausforderungen und Möglichkeiten sich ergeben, wenn die Völker des Amazonasgebiets ihre Stimme erheben. Wir waren bei den Demonstrationen und Debatten und sogar in der Blauen Zone der offiziellen Verhandlungen vertreten.

Bei der COP machen große Verhandlungen und wirtschaftliche Interessen oft diejenigen unsichtbar, die die Klimakrise am eigenen Leib und in ihrem Territorium erleben. Beim Gipfel der Völker erheben sich dagegen historisch zum Schweigen gebrachte Stimmen gemeinsam, fordern ihre Beteiligung und nehmen Räume ein, die ihnen bisher verwehrt wurden.

Mit dem Gipfel der Völker haben wir einen starken Appell an die Welt gesandt zu Klimagerechtigkeit, Anerkennung von Territorien, gerechter Energiewende und Ablehnung falscher Lösungen, die die Natur zur Ware machen. Außerdem haben wir daran erinnert, dass der Kampf gegen die Klimakrise auch ein Kampf für den Schutz der Kinder und zukünftiger Generationen ist: „Freie Gebiete, geschützte Kinder”. Es ist uns auch gelungen, dringende lokale Themen in den Vordergrund zu rücken, wie die Probleme durch den Bau von Wasserstraßen im Tapajós-Fluss, der ganze Völker und fragile Ökosysteme bedroht.

Schwester Elis dos Santos und ihre Kolleginnen und Kollegen von der Casa Amazônica in Belém. 

Auch innerhalb der COP gibt es Menschen, Organisationen, Wissenschaftler und politische Führungskräfte, die sich aufrichtig dafür einsetzen, dass wir die Grenzen unseres Planeten nicht überschreiten. Selbst die brasilianische Regierung hat Fortschritte erzielt, wie die Bekämpfung der Entwaldung und die Wiederaufnahme des internationalen Dialogs. Es wurde auch die Anerkennung von zehn indigenen Territorien angekündigt, ein konkreter Schritt zum Schutz von Leben. Das ändert nichts an unseren Herausforderungen, aber es zeigt, dass es Hoffnung gibt.

Trotz dieser Erfolge ist es wichtig, die COP daran zu erinnern, dass die indigenen Völker im Mittelpunkt der Entscheidungen stehen müssen, denn die COP hört uns noch nicht ausreichend zu. Oft feiert sie unsere Anwesenheit als Symbol, garantiert uns aber keine wirklichen Entscheidungsräume. Dabei sind wir es, die den größten Teil der noch vorhandenen Wälder schützen. Wir sind es, die die Zerstörung als Erste zu spüren bekommen: die verschmutzten Flüsse, die Gewalt in den Gebieten, den Verlust unserer Häuser, unserer Kultur und unserer Lebensweise. Wenn die COP den indigenen Völkern nicht zuhört, ignoriert sie genau diejenigen, die den Schlüssel zur Lösung der Klimakrise in der Hand halten.

Wir sind keine kulturellen Requisiten, wir sind Teil der Lösung. Die Antwort auf viele der Klimaprobleme liegt in den Territorien, in der heiligen Beziehung zur Erde. Deshalb sprechen wir: Damit die COP die indigenen Völker eines Tages nicht bloß „sieht“, sondern uns endlich zuhört, uns einbezieht und uns als Protagonisten der Zukunft anerkennt, die wir zu retten versuchen.

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Rettet unsere Welt – Zukunft Amazonas

Der weltweite Hunger nach Rohstoffen, Holz und Fleisch zerstört die Lebengrundlage der indigenen Völker am Amazonas und erstickt die Lunge der Welt. Gemeinsam mit den Partnerorganisationen vor Ort unterstützt Adveniat indigene Gemeinschaften dabei, ihre Rechte zu schützen und den zerstörerischen Eingriffen von Konzernen und Regierungen entgegenzuwirken. Die indigenen Völker leben im Einklang mit der Natur und sind damit die wahren Umweltschützer und Klimaretter. Unter dem Leitwort „Rettet unsere Welt – Zukunft Amazonas“ ruft Adveniat dazu auf, sich an die Seite der Menschen zu stellen, die für die Bewahrung des Amazonas als gemeinsames Haus und als globale Grundlage für zukünftige Generationen einstehen – oft unter Einsatz des eigenen Lebens.