Bundeskunsthalle in Bonn präsentiert “Indigene Welten” in Amazonien

Sie soll einen neuen Blick auf die Amazonas-Region ermöglichen – und mit vielen Klischees aufräumen. Die Bundeskunsthalle in Bonn präsentiert eine neue Perspektive auf den größten Regenwald der Erde.

Der weltweite Hunger nach Rohstoffen, Holz und Fleisch zerstört die Lebensgrundlage der indigenen Völker am Amazonas und erstickt die Lunge der Welt. Gemeinsam mit den Partnerorganisationen vor Ort unterstützt Adveniat indigene Gemeinschaften dabei, ihre Rechte zu schützen und den zerstörerischen Eingriffen von Konzernen und Regierungen entgegenzuwirken. Foto: Adveniat

Der Amazonas ist gerade angesagt am Rhein. Seit Oktober und noch bis Sonntag zeigt das Rautenstrauch-Joest-Museum in Köln in der Ausstellung “Amazonia” die beeindruckenden großformatigen Regenwald-Fotos von Sebastião Salgado, einem der weltweit renommiertesten Fotografen. “Amazonia” richtet den Blick auf die unglaubliche Natur und die indigenen Gesellschaften, die sie prägen und bewahren.

Wer mag, kann sich ab Freitag in Bonn noch tiefgreifender mit der Region beschäftigen, die sich über neun lateinamerikanische Länder erstreckt und als größter Regenwald der Erde eine zentrale Rolle für das Weltklima spielt. Die große Ausstellung “Amazonia. Indigene Welten” in der Bundeskunsthalle ist thematisch weiter gefasst: Sie sieht die Amazonas-Region weniger als Naturraum, sondern viel stärker als Kulturraum, in dem eine große kulturelle Vielfalt herrscht.

Werke indigener Künstlerinnen und Künstler spielen zentrale Rolle

Rund 400 Objekte tragen dazu bei: In der Schau spielen aktuelle Werke indigener Künstlerinnen und Künstler eine zentrale Rolle. Sie treten in einen lebendigen Dialog mit den Beständen archäologischer und ethnologischer Sammlungen, darunter Handwerk, Masken, rituelle Gegenstände, Kopfhauben oder Tierfiguren. Es geht um Schöpfungsmythen, Erzählungen zur Erschaffung des Menschen, die Bedeutung von Träumen und Visionen oder Rituale bei Geburt, Krankheit und Tod.

Ziel der Ausstellung ist nach Aussage der Intendantin der Bundeskunsthalle, Eva Kraus, die gängigen Klischees der Europäer über diesen Lebensraum zu hinterfragen, der so groß ist wie Europa. Kraus wünscht sich eine “Umkehr der Betrachtungsweise”: Das unscharfe und allzu vereinfachende Bild eines gigantischen Urwalds, bevölkert von Ureinwohnerinnen und Ureinwohnern, die dort zeitentrückt leben, reduziere diese weite Region auf eine erstarrte exotische Kulisse, sagt sie.

Adveniat setzt sich für Schutz der indigenen Völker im Amazonas ein
Unter dem Motto „Rettet unsere Welt – Zukunft Amazonas“ ruft Adveniat gemeinsam mit Schauspielerin Friederike Becht dazu auf, sich an die Seite der Menschen zu stellen, die für die Bewahrung des Amazonas als globale Grundlage für zukünftige Generationen einstehen – oft unter Einsatz des eigenen Lebens.
Eine junge weiße Frau hockt im Dschungel vor einem kleinen Baumgewächs, ihr gegenüber sitzt ein junger indigener Mann.

Dabei sei Amazonien eine dynamische Region, die Tradition und Wissen der Vorfahren mit einer eigenen Form von Modernität verbänden. Schon vor der Invasion der Europäer habe es weite lokale, regionale und überregionale Netzwerke zwischen den Völkern gegeben. Ihre Widerstandskraft angesichts des Klimawandels und der ökologischen Bedrohungen, ihr Wissen über Pflanzen und Natur, aber auch ihre Geschichte und ihr großes Gemeinschaftsgefühl zeigten, dass es Alternativen zu einer westlichen Modernität gebe.

“Amazonien ist weitaus weniger ursprünglich, als viele Menschen in Europa glauben”, sagt Ausstellungskurator Leandro Varison vom Pariser Musée du quai Branly – Jacques Chirac. Der heutige Zustand sei das Resultat einer Jahrtausende währenden Beziehung zwischen Menschen und Natur. Amazonien ist nach Darstellung der Ausstellungsmacher auch nicht nur Regenwald: Es umfasst eine Vielzahl von ganz unterschiedlichen Ökosystemen. Diese Lebensräume hätten sich seit mindestens 13.000 Jahren gemeinsam mit ihren menschlichen Bewohnern und Bewohnerinnen entwickelt, welche – bewusst oder unbewusst – die Landschaften und die biologische Vielfalt Amazoniens stetig verändert hätten.

Kulturraum mit 350 indigenen Völkern

Entstanden ist ein Kulturraum mit derzeit rund 350 indigenen Völkern und über 300 Sprachen. Sie haben völlig andere Vorstellungen von Schöpfung und Zukunft, Natur und menschlicher Person entwickelt als die westliche Welt. Das zeigt etwa das Gemälde “Das Land der Großeltern” des peruanischen Künstlers Rember Yahuarcani, der eine überquellende Vielfalt der Tierwelt von Schlangen über Vögel bis zu Schmetterlingen präsentiert. Das zeigen aber auch Fotos, die die symbolische Sprache der weit verbreiteten Körperbemalung darstellen.

Sichtbar wird, dass die indigenen Kulturen Amazoniens die Vorstellung von Welten teilen, in denen Menschen, Pflanzen, Tiere und andere nicht-menschliche Kräfte wie Geister die Möglichkeit haben, soziale Beziehungen zu unterhalten und sich von einem Zustand in den anderen verwandeln können. (kna)

Für weitere Informationen, wie Sie die Menschen in Lateinamerika und der Karibik mit einer Spende unterstützen können, wenden Sie sich gerne an:

Carmen Martínez
Spenderkommunikation
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