Baerbock bringt Haiti zurück auf die UN-Agenda

Bei ihrem Amtsantritt hat die neue Präsidentin der UN-Vollversammlung auf die verzweifelte Lage im bettelarmen Karibikstaat Haiti hingewiesen. In der dortigen Krise agierten die Vereinten Nationen bisher erfolglos. Adveniat bleibt an der Seite der Menschen und unterstützt sie auf vielfältige Weise.

Im Adveniat-Projekt „Foyer de l`espérance“ (Foyer der Hoffnung) erhalten die Menschen eine warme Mahlzeit, Bildungsangebote, werden gesundheitlich versorgt und können im geschützten Raum ihre Freizeit verbringen. Foto: Adveniat/Florian Kopp

Bei ihrem Amtsantritt als neue Präsidentin der UN-Vollversammlung in New York lenkte Grünen-Politikerin Annalena Baerbock den Blick auf ernste Themen. “Auf der Original-Charta vereidigt zu werden, erinnert uns daran, was die Welt zusammen erreichen kann. Aber wenn man in Richtung Gaza, Ukraine, Sudan oder Haiti schaut, dann werden wir auch daran erinnert, wie oft wir schon dabei gescheitert sind, diese Versprechen zu erfüllen”, sagte sie am Dienstag.

Während in Gaza, der Ukraine und in Sudan Krieg herrscht, tobt in Haiti ein blutiger innenpolitischer Konflikt mit bewaffneten Banden, die um die Vormachtstellung kämpfen. Die Krise ist allerdings weitgehend vom internationalen Radar verschwunden, obwohl das Leid der Bevölkerung unermesslich ist. Aussicht auf Besserung gibt es nicht. Eine Polizeimission unter der Leitung Kenias endet im Oktober, ohne dass sich die Lage zum Positiven verändert hat. Kenias Präsident William Ruto forderte vor wenigen Tagen den UN-Sicherheitsrat auf, einen “verantwortungsvollen Übergang” der sogenannten multinationalen Sicherheits-Unterstützungsmission in Haiti zu organisieren.

Adveniat unterstützt Menschen mit Mahlzeiten, Bildungsangeboten und auf der Flucht

Das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat unterstützt sowohl die Menschen, die in Haiti ausharren müssen, als auch die Menschen, die fliehen. Selbst in der stark umkämpften und von Gewalt geprägten Hauptstadt Port-au-Prince finanziert Adveniat Hilfe für Kinder und Jugendliche. Im Projekt „Foyer de l´espérance“ (Foyer der Hoffnung) erhalten sie eine warme Mahlzeit, Bildungsangebote, werden gesundheitlich versorgt und können im geschützten Raum ihre Freizeit verbringen. Entschließen sich die Menschen, ihre Heimat zu verlassen, leistet Adveniat durch seine Projektpartnerinnen und -partner auf der gefährlichen Flüchtlingsroute Hilfe: Die Mitarbeitenden verteilen Lebensmittel und Medikamente, bietet in sicheren Unterkünften Schutz und ermöglicht mit Ausbildungsprojekten für Migranten die Chance auf einen Neuanfang in Lateinamerika.

Luis Abinader, Präsident der Dominikanischen Republik und damit Haitis direkter Nachbar, will vor der UN-Vollversammlung das Desinteresse im Rest der Welt mit Blick auf Haiti ansprechen: “Wenn ich Ende September zu den Vereinten Nationen reise, werde ich mich erneut zur internationalen Gemeinschaft und ihrer Vernachlässigung Haitis äußern”, sagte Abinader kürzlich.

Ruf der UN hat gelitten

Die UN wiederum haben keinen guten Ruf mehr in Haiti, weil auf die Karibikinsel entsandte UN-Soldaten vor einigen Jahren eine Cholera-Welle einschleppten, die Hunderte Tote forderte. Zudem schafften es die Vereinten Nationen nicht, einen nachhaltigen Plan für den Wiederaufbau Haitis nach dem verheerenden Erdbeben 2010 mit 250.000 Toten umzusetzen. Der damalige UN-Generalsekretär Ban Ki Moon versprach vollmundig: “Wir müssen ein besseres Haiti schaffen, in dem nicht die meisten Menschen in Armut leben und keine Chance auf Bildung haben. Wir haben einen konkreten Plan für den Wiederaufbau, und dieser Plan trägt eine haitianische Handschrift.” Doch Erfolge blieben trotz zahlreicher Hilfsmilliarden aus.

Inzwischen versinkt das Land im chaotischen Kampf skrupelloser Drogenbanden. Die USA fordern seit einigen Wochen eine schlagkräftige Einsatztruppe, die in der Lage ist, die Bandengewalt militärisch zu stoppen. Sie forderten die Organisation Amerikanischer Staaten auf, entsprechende Schritte zu unternehmen. Auch aus Haiti selbst kommt Unterstützung für die US-Initiative. Vorgesehen ist demnach die Umwandlung der fehlgeschlagenen Polizeimission in eine Streitmacht zur Bandenbekämpfung mit robustem Mandat vor.

Haiti begrüßt US-Initiative

“Diese von der haitianischen Bevölkerung erwartete Entwicklung ist ein entscheidender Schritt, um die Autorität des Staates zu stärken, die Gemeinden zu schützen und zur nationalen und regionalen Stabilität beizutragen”, erklärte Ministerpräsident Alix Didier Fils-Aimé am Dienstag. Dagegen gibt es allerdings Widerstand der links regierten Länder Brasilien, Kolumbien und Bolivien, die nichts vom Vorstoß der USA halten.

Haiti steckt seit Jahren in einer schweren innenpolitischen Krise. Nach dem Mord an Staatspräsident Jovenel Moïse 2021 bauten kriminelle Banden ihre Macht aus und terrorisieren seitdem die Bevölkerung. Fast die Hälfte der Bevölkerung, etwa 4,9 Millionen Menschen, habe nicht genug zu essen, hieß es zuletzt aus UN-Kreisen. Haiti gilt ohnehin als ärmstes Land der westlichen Hemisphäre. Es wurde in den vergangenen Jahren überdies von Naturkatastrophen wie Erdbeben und Wirbelstürmen erschüttert.

Text: Tobias Käufer/kna