Adveniat hat die bundesweite Weihnachtsaktion im Bistum Mainz eröffnet

„Wir müssen aufstehen.“ Dazu hat der Mainzer Bischof Dr. Peter Kohlgraf angesichts der ernüchternden Ergebnisse der Weltklimakonferenz und der verbreiteten Zögerlichkeit bei der Übernahme von Verantwortung für den Schutz der Schöpfung aufgerufen.

Mit einem feierlichen Gottesdienst ist die bundesweite Adveniat-Weihnachtsaktion der katholischen Kirche im Mainzer Dom eröffnet worden. Bischof Dr. Peter Kohlgraf von Mainz feierte den Gottesdienst mit Adveniat-Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck, dem brasilianischen Bischof Dom Vicente Ferreira, Schwester Elis dos Santos aus Manaus und Adveniat-Hauptgeschäftsführer Pater Dr. Martin Maier. Foto: Nicolas Ottersbach/DOMRADIO.DE

In seiner Predigt anlässlich der bundesweiten Adveniat-Weihnachtsaktion der Katholischen Kirche, die in diesem Jahr unter dem Motto „Rettet unsere Welt – Zukunft Amazonas“ mit einem feierlichen Gottesdienst im Mainzer Dom eröffnet worden ist, sagte Bischof Kohlgraf: „Wachsein bedeutet, die Zusammenhänge zu sehen und ernst zu nehmen: die Zusammenhänge zwischen Ungerechtigkeit und Unfrieden, zwischen Ausbeutung der Schöpfung und Missachtung von Menschen und ihren Rechten, zwischen der Zerstörung von Lebensgrundlagen und Fluchtbewegungen.“

Menschheit darf nicht weiter “auf globale Snooze-Taste drücken”

Er habe den Eindruck, dass die Menschheit, anstatt aufzuwachen, immer wieder auf eine globale Snooze-Taste drücke, so wie bei einem Wecker, um weiter schlafen zu können. Dagegen forderte Bischof Kohlgraf dazu auf: „Es ist Zeit, vom Schlaf aufzustehen, indem wir uns nicht von Geld und dem Nutzen der Schöpfung und anderer Menschen blenden lassen, sondern uns von ihrer Würde leiten lassen.“ Gerade der Glaube an Gott und das Bewusstsein, Teil seiner Schöpfung zu sein, sei kein „Opium des Volkes“, keine Betäubung. Vielmehr sei der Glaube „ein Wecker, ein Weckruf, der uns mahnt, die Wirklichkeit nicht zu verdrängen“.

Die bundesweite Adveniat-Weihnachtsaktion, die in Mainz an diesem 1. Adventsonntag eröffnet wurde und der die Spenden in allen Weihnachtsgottesdiensten in ganz Deutschland am 24. und 25. Dezember zugutekommen, zeige: Die christliche Botschaft besitze immer auch eine politische Dimension. „Sie mahnt zu Maßhalten, Gerechtigkeit, Solidarität, Nächstenliebe und zum Einsatz für Menschen am Rande sowie für unser gemeinsames Haus“, so der Mainzer Bischof.

“Nachhaltigkeit und Verantwortung kennen keine Grenzen”

Auch der Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz, Alexander Schweitzer, feierte den Eröffnungsgottesdienst mit. „Nachhaltigkeit kennt keine Grenzen – und Verantwortung auch nicht“, erklärte er auf dem anschließenden Empfang im Erbacher Hof. „In Rheinland-Pfalz arbeiten wir daran, unser Land sozial gerecht, wirtschaftlich stark und klimaneutral zu gestalten, und zugleich übernehmen wir Verantwortung über unsere Landesgrenzen hinaus. Unsere Entwicklungszusammenarbeit mit Ländern des Globalen Südens zeigt, wie wir gemeinsam Armut bekämpfen, Bildung stärken und Zukunft schaffen können.“ Die beteiligten Menschen, Vereine, Schulen, Kommunen und Kirchen seien ein lebendiges Beispiel dafür, dass nachhaltige Entwicklung gelingt, wenn politisches Handeln und Engagement vor Ort zusammenkommen. Denn, so Ministerpräsident Alexander Schweitzer, „nur gemeinsam schaffen wir eine gerechte und lebenswerte Zukunft – für uns und für die kommenden Generationen.“

„Unsere Beziehung zur Schöpfung darf nicht länger der Logik der Ausbeutung und einer Wegwerfmentalität folgen.“

Schwester Elis dos Santos aus Manaus

Die Adveniat-Weihnachtsaktion ist seit mehr als 60 Jahren eine Brücke der Solidarität zwischen Deutschland und Lateinamerika sowie der Karibik. Schwester Elis dos Santos aus der brasilianischen Millionen-Metropole Manaus hatte in den vergangenen Tagen bereits vom Engagement der indigenen Völker und der internationalen Zivilgesellschaft auf zahlreichen Veranstaltungen berichtet. „Ich komme aus einem Land, das Widerstand leistet, singt und leidet – und wo doch jeder neue Tag auch ein Akt der Hoffnung ist“, sagte sie im Eröffnungsgottesdienst. Für die Partnerin des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat steht fest: „Unsere Beziehung zur Schöpfung darf nicht länger der Logik der Ausbeutung und einer Wegwerfmentalität folgen.“ Die Adveniat-Weihnachtaktion sei für sie und die Menschen in Lateinamerika ein Zeichen tiefer Verbundenheit. „Sie steht für Initiativen, die mit Hand und Herz diejenigen stärken, die oft unsichtbar bleiben. Sie ist Ausdruck einer dauerhaften Solidarität.“

“Adveniat-Weihnachtsaktion ist Ausdruck dauerhafter Solidarität”

Der Hauptgeschäftsführer des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat Pater Martin Maier rief am Zusammenfluss von Main und Rhein in Erinnerung, dass Flüsse überlebenswichtige Lebensadern unserer Welt sind. „Sie verbinden Menschen. Spenden lebenswichtiges Trinkwasser. Lassen Pflanzen wachsen. Sind Nahrungsquelle. Doch die Lebensadern unserer Welt trocknen aus, werden ausgebeutet und vergiftet“, so der Adveniat-Hauptgeschäftsführer. Die radikale Abholzung des Regenwalds am Amazonas, die rücksichtslose Rohstoffausbeutung und die Erdölförderung zerstörten die Lebensgrundlagen für die vielfältige Pflanzen- und Tierwelt und für die dort lebenden indigenen Völker.

“Als Kirche stehen wir an der Seite der Opfer der Ausbeutung der Natur”

„Als Kirche stehen wir klar auf der Seite der Menschen, die Opfer dieser maßlosen Ausbeutung von Bodenschätzen und der menschengemachten Klimaerhitzung werden“, sagte Bischof Vicente Ferreira. In seinem Bistum Livramento de Nossa Senhora, aber auch in ganz Brasilien engagiert er sich seit vielen Jahren für die vom Bergbau ausgebeuteten und bedrohten Menschen. Die Verteidiger der Menschen- und Naturrechte erhielten in Lateinamerika Morddrohungen. Deshalb sei es so wichtig, dass das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat mit seinen Partnern vor Ort die Armen und insbesondere die indigenen Völker ermächtigt, ihre Rechte zu verteidigen und ihre Lebenswelten zu schützen. „Unterstützen Sie die Adveniat-Weihnachtsaktion in diesem Jahr. Das hilft unserer Arbeit vor Ort“, so Bischof Vicente Ferreira zum Ende des Gottesdienstes.

Der Gottesdienst zur Eröffnung der Adveniat-Weihnachtsaktion erhielt seine ganz besonders feierliche Note durch die musikalische Gestaltung. Unter der Leitung von Domkapellmeister Professor Dr. Karsten Storck sang der Mainzer Domchor und spielten die Dombläser. Domorganist Professor Daniel Beckmann war an der Orgel zu hören und die Musikgruppe der portugiesisch-sprachigen Gemeinde Mainz sorgte für internationales Flair.


Fotos stehen im Anschluss an den Gottesdienst zum kostenfreien Download bereit unter:
www.medien.adveniat.de.
Reportage, Film- und Radiobeiträge zur Adveniat-Weihnachtsaktion „Glaubt an uns – bis wir es tun!“ finden Sie unter: www.adveniat.de/presse2025

Adveniat Weihnachtsaktion 2025

Rettet unsere Welt – Zukunft Amazonas

Der weltweite Hunger nach Rohstoffen, Holz und Fleisch zerstört die Lebengrundlage der indigenen Völker am Amazonas und erstickt die Lunge der Welt. Gemeinsam mit den Partnerorganisationen vor Ort unterstützt Adveniat indigene Gemeinschaften dabei, ihre Rechte zu schützen und den zerstörerischen Eingriffen von Konzernen und Regierungen entgegenzuwirken. Die indigenen Völker leben im Einklang mit der Natur und sind damit die wahren Umweltschützer und Klimaretter. Unter dem Leitwort „Rettet unsere Welt – Zukunft Amazonas“ ruft Adveniat dazu auf, sich an die Seite der Menschen zu stellen, die für die Bewahrung des Amazonas als gemeinsames Haus und als globale Grundlage für zukünftige Generationen einstehen – oft unter Einsatz des eigenen Lebens.