Angst in Venezuela ist groß
Nach dem Militärschlag der USA und der Inhaftierung von Staatschef Nicolás Maduro ist die Lage in Venezuela weiter angespannt. Während Venezuelas ehemaliger Machthaber in New York auf seinen Prozess wegen Drogenhandels wartet, beginnen sich in Lateinamerika die Frontlinien zwischen den Befürwortern und den Gegnern der US-Militäraktion abzuzeichnen.
Standpunkt
Nicolás Maduro hat Wahlen gefälscht, Venezuela diktatorisch geführt, Andersdenkende willkürlich verhaften, foltern und ermorden lassen sowie eine Staats- und Wirtschaftskrise zu verantworten, die Armut, Hunger und einen Massen-Exodus von mehr als acht Millionen Venezolanern zur Folge hat. All das rechtfertigt jedoch keinesfalls die nun von Trump befohlene Entführung Maduros und seiner Frau, die Bombardierungen des venezolanischen Festlands, denen 40 Menschen, unter ihnen auch Zivilisten, zum Opfer gefallen sind, sowie das Entern von Öl-Tankern und den Abschuss von Booten, bei denen an die 100 Menschen ermordet wurden. Anstelle dieser völkerrechtswidrigen und von der US-amerikanischen Verfassung nicht gedeckten Angriffe, hätte eine gezielte Stärkung der demokratischen Kräfte und eine konsequente Sanktionierung des Regimes zu einem Wandel in Venezuela führen können. Stattdessen haben sämtliche US-amerikanischen Regierungen bis zuletzt immer auch (Öl-)Geschäfte mit dem Regime getätigt und dieses damit gestärkt.

Adveniat-Hauptgeschäftsführer
Pater Martin Maier SJ
Scharfe Kritik kam von Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva, der vor einer gefährlichen Eskalation der Lage in Venezuela warnt. Gemeinsam mit Kolumbien und Chile forderte Brasilien eine friedliche Lösung der Krise durch Dialog und ohne externe Einmischung. Zudem wurde ein Treffen der Gemeinschaft Lateinamerikanischer und Karibischer Staaten (CELAC) beantragt, um die regionale Stabilität zu sichern.
Klar hinter das US-Vorgehen stellt sich hingegen der libertäre Präsident Argentiniens, Javier Milei. Er plant laut einem Bericht von CNN ein Bündnis ähnlich gesinnter Regierungen zu schmieden, das sich als antisozialistisch definiert.
“In Venezuela leben die Menschen in Angst ”, sagte der Hauptgeschäftsführer des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, Pater Martin Maier. “Niemand traut sich, auf der Straße offen zu sprechen, schon gar keine Kritik am Regime zu äußern.” Dort führten nach wie vor die sogenannten Colectivos, die Schlägertrupps der weiterhin regierenden Administration, Kontrollen durch, sagte Maier. “Die Menschen befürchten, dass die Repression noch weiter steigt, und ihre Situation noch dramatischer wird. Deswegen kam es bereits zu Hamsterkäufen.”

Brücke auf der Grenze zwischen Venezuela und Kolumbien. Mehr acht Millionen Venezolanerinnen und Venezolaner sind infolge der schweren Staats- und Wirtschaftskrise bereits aus dem Land geflohen. Foto: Adveniat/Philipp Lichterbeck
Kirche verurteilt Militäraktion
Der mexikanische Menschenrechtsbischof Raúl Vera López warnte vor den Risiken, die die Eskalation der Gewalt für den Frieden in Lateinamerika, einschließlich Mexiko, mit sich bringt. Die Bombardierungen seien “schreckliche Nachrichten” für die Region. Die Militäraktion sei ohne Zustimmung des US-Kongresses durchgeführt worden, was ihre Legitimität in Zweifel ziehe. Boliviens Bischofskonferenz verurteilte “jede unverhältnismäßige Anwendung von Gewalt”.
Adveniat hält Hilfe für die Menschen weiterhin aufrecht
Adveniat gelingt es nach Maiers Angaben weiter, den Menschen in dem südamerikanischen Land zu helfen. Als Lateinamerika-Hilfswerk der Kirche arbeite Adveniat direkt mit den kirchlichen Institutionen und den Pfarrgemeinden in Venezuela zusammen. Das sei auch schon in den vergangenen Jahren von großem Vorteil gewesen.
(kna; Adveniat)

