Brasilien - Demokratischer Strand
Mittwoch, 24. Februar 2010
Sobald die Sonne untergeht in Fortaleza, schnappen sich die Brasilianer ihre Turnschuhe und machen sich auf den Weg zur Strandpromenade. Dann lässt die Hitze des Tages nach, und die Anwohner bemühen sich, anderweitig ins Schwitzen zu kommen. Darin unterscheidet sich Fortaleza nicht von den anderen Uferstädten Brasiliens wie Rio oder Recife: Tagsüber bevölkern Wellenreiter und Surfer den Strand, abends werden sie abgelöst von Fussballern und Volleyballern, für die eine extra Flutlichtbeleuchtung eingerichtet wurde.
Am frühen Morgen und abends zwischen sieben und neun Uhr abends reicht der überbreite Gehweg der Strandpromenade kaum aus für die vielen Walker, Jogger und Skater, die sich gegenseitig übertreffen. Ein frischer Saft oder eine eisgekühlte Kokosnuss vom fliegenden Händler am Strassenrand sorgen anschliessend für gesunde Erfrischung. Egal ob Nationalfeiertag, Sylvesterfeuerwerk oder Wahlkampfveranstaltung – gefeiert wird am Strand. Und das schönste daran ist, dass hier alle zusammen kommen, die sonst der soziale Status trennt.
Die Aussicht auf Olympische Spiele und die Fussball-WM scheint alle zu beflügeln und gleichermassen stolz zu machen auf ihr Heimatland. Für Taxifahrer Josmar ist schon ausgemacht, dass Brasilien auch in Südafrika wieder ganz oben auf dem Treppchen steht. Denn Deus é brasileiro. Gott ist schliesslich Brasilianer. Und sportlich muss er dann wohl auch sein.
Text: Sandra Weiss, Foto: Jürgen Escher