Ein Equipo von Schatzgräbern
Dienstag, 12. Januar 2010
José Arguëllo ist ein hochgebildeter Mann. Nach seinem Studium der Philosophie und der Theologie in Tübingen als DAAD-Stipendiat ist er vor zwanzig Jahren nach Nicaragua zurückgekehrt und hat dort eine Initiative gegründet, die ihresgleichen sucht. Sie setzt an der Wirklichkeit der Armen an in ihrem dauernden Überlebenskampf wie auch ihrer sprühenden Lebenskraft. Aus der Nähe zum Alltag entstanden die Themen, die das Equipo Teyocoyani für ihre Arbeit aufgriff: Die Sehnsucht nach Liebe und Anerkennung ebenso wie Verlassenheit, Ausgrenzung, Mord und Totschlag - Themen, die eindringlich auch im Alten und Neuen Testament vorkommen. Die Identifikation mit Gestalten in der Bibel eröffneten neue Sichtweisen hin zu mehr Selbstbewusstsein und Handlungsmöglichkeiten. Diese “Teologia cotidiana” verbindet das materielle und spirituelle Leben und füllt das Vakuum zwischen wirklichkeitsferner Theologie und dem reichen Fundus von Erfahrungen aus dem eigenen Volk.
Was sich auf diese Weise prozesshaft entwickelte, wurde vom Equipo Teyocoyani unter der Leitung von José Arguëllo im Lauf der Jahre in ein hervorragendes Schulungsmaterial umgesetzt für die Delegados de la
Palabra und alle, die am Gemeindeleben aktiv teilnehmen: ansprechende und kostengünstige Hefte über die Rolle der Laien als Salz der Erde, über Familie, Frauen in der Bibel, Menschenrechte, Sekten, Bewahrung der Schöpfung und der Schatz in den Gleichnissen.
Schon ein Blick in diese Hefte ist sehr anregend, trifft mit seinen Zeichnungen den Nagel auf den Kopf und führt zu neuer Erkenntnis, ohne belehrend zu wirken. Dabei fällt auf, dass mehr FÜR als gegen eine Sache gekämpft wird. Wie Arguëllo sagt, muss man auch die Gründe des Gegners kennen, um das Böse zu überwinden (vgl. das Gedicht von Ruben Dario “Los motivos del lobo”, das hier eine große Rolle spielt). Die Menschen hier haben einen ausgeprägten Sinn für Bilder und Symbole.
Das Equipo Teyocoyani ist an diesen Erfahrungen selbst gewachsen und fühlt sich bestärkt, in Unabhängigkeit diesen Weg mit den Gemeinden weiter zu gehen, oft auf beschwerlichen langen Wegen, zu Wasser und zu Pferd.
Das Buch, das sie herausgegeben haben mit Gebeten aus der christlichen Tradition, angefangen von den Wüstenvätern bis zu D. Bonhoeffer und Glaubenszeugnissen aus den Völkern Lateinamerikas heute, ist für sie selbst eine Quelle geworden, aus der sie schöpfen.
Die eintägige Begegnung mit den Hauptamtlichen des Equipo (zwei Männer, zwei Frauen) in einem angemieteten schlichten Raum in Managua bestärkt Adveniat, diese kreative pastorale Bildungsarbeit weiterhin zu unterstützen.
Text: Ursula Bernauer