Wohin die Spanier nicht kamen
Es schüttet wie aus Kübeln in Bluefields. Hier regnet es dreizehn Monate im Jahr, lacht Padre Flavio. Was nicht hindert, dass die Menschen permanent unterwegs sind und zusammenkommen. Unter einem prasselnden Kirchendach sitzend erwartet uns bereits die Versammlung der ca 25 Evangelizadores. Sie berichten von ihren Besuchen zu zweit bei den Nachbarn ihres Barrio, wo sie anklopfen und in die Aussichtslosigkeit von Armut und Gewalt hinein die biblische Botschaft tragen. Umgeben von unzähligen Sektenkirchen mit ihren oft aggressiven Methoden wollen sie Zeugnis geben von dem, was sie selber trägt und was sie in ihren Bibelkursen reflektiert haben. Man nimmt ihnen in ihrer Ernsthaftigkeit und ihrem Realitätssinn ab, wie sie durch den eigenen Glauben Lebenskrisen überwinden und Hoffnung weitergeben koennen.
Eine Reihe junger Leute ist unter ihnen mit den Zuegen der Miskito-Indianer, bildschöne Frauen mit asiatischen Gesichtern neben den dunkelhäutigen Afros und der alten Sakristanin aus dem Volk der Garifuna. Ein junger Mann outet sich als Ex-marero.
Diese Gruppe mit ihrem ansteckenden Lachen spiegelt das ethnische Voelkergemisch von Bluefields, der ältesten Stadt an der Karibikküste, zugleich Hauptstadt der Region Autonoma del Atlantico Sur (RAAS). Die Spanier sind nicht bis hierher gekommen, dafür englische Kaufleute und Piraten, später europäische Siedler, die für den Bananenexport schwarze Arbeiter anheuerten - heute sind sie willkommene Arbeitskräfte auf den modernen Kreuzfahrtschiffen.
Später kamen chinesische Einwanderer hinzu, auch Padre Flavios Grossvater kommt aus China, damals auf der Flucht vor dem Regime Mao tse Tungs.
Die Eindrücke in dieser afro-karibischen Gesellschaft mit ihren Brechungen und Vernetzungen sind in diesem Klima von extrem hoher Luftfeuchtigkeit und dauerndem Regen von fast unüberschauberer Vielfalt wie die tropische Pflanzenwelt, die uns umgibt. Hilfreiche Orientierung kommt von Padre Flavio, dem Pfarrer dieser riesigen Gemeinde: nicht nur dass er mit seinem equipo einen ganz hervorragenden Plan Pastoral ausgearbeitet hat. Er verkörpert auch, mit Weitsicht und viel Humor, dass die vielen Desafios (Herausforderungen) gesehen und bewältigt werden können
Text: Ursula Bernauer
Tags: Nicaragua