Archiv für August 2009

Dom Helder Camara

Donnerstag, 27. August 2009

Dom Helder CamaraKlein von Gestalt, ist und bleibt Dom Helder Camara einer der ganz großen der Christenheit im 20. Jahrhundert.

Mit dem 1980 ermordeten Erzbischof Oscar Arnulfo Romero aus El Salvador wurde Dom Helder zum Inbegriff jenes Aufbruches der lateinamerikanischen Kirche, der mit den Basisgemeinden und der „Option für die Armen” die Weltkirche veränderte.

Helder Camara wurde am 7. Februar 1909 als elftes von 13 Kindern in Fortaleza im Nordosten Brasiliens geboren mit bereits 22 Jahren zum Priester geweiht. Hochbegabt, ein geborener Organisator, mutig und unermüdlich wie er war, betraute ihn sein Bischof mit dem Aufbau katholischer Organisationen zunächst im heimatlichen Bundesstaat Ceará , dann in der damaligen Hauptstadt Rio de Janeiro.

Es  war eine Frage, 1955 in Rio de Janeiro, die sein Leben verändern sollte, „Wie kann es angehen, dass wir alle den Eucharistischen Christus in unserer Mitte verehren und den Christus übersehen, der buchstäblich am Rande lebt, in den Armen in den Favelas von Rio de Janeiro?” und die ihn nicht mehr losließ. Fortan stellte er seine immense Arbeitskraft, sein Organisationstalent und sein Charisma in den Dienst der Armen.

1964, im Jahr des Militärputsches, wurde Dom Helder zum Erzbischof von Olinda und Recife ernannt, kehrte also in seinen geliebten Nordosten zurück und setzte am armen Rand Brasiliens fort, was er in der Metropole begonnen hatte: den Kampf für die Armen und für Gerechtigkeit.

Er starb am 27. August 1999 in Recife. Als ein wegweisender Prophet lebt er in der Erinnerung, als ein Optimist Gottes und als ein Lehrer des Betens.

Sein Zeugnis, dass gesellschaftliches Engagement und die Verkündigung des Evangeliums, dass Mystik und Politik untrennbar zusammengehören, ist sein Vermächtnis.

Michael Huhn

Viele weitere Informationen zu Dom Helder Camara finden Sie auf adveniat.de

Spanisches Fest

Donnerstag, 20. August 2009

Adveniat en acción!  Am Sonntag, den 16.08.2009 kam es den Gemeindemitgliedern der Pfarrei St. Markus, Essen-Bredeney, nicht nur “Spanisch vor”, wie der dortige Pfarrer Hirschler meinte, sondern ziemlich Lateinamerikanisch. Der spanische Elternverein in Essen hatte das Fest organisiert.
Die Veranstaltung begann mit einem deutsch-spanischen Gottesdienst.  Im Foyer der Pfarrkirche wurden danach verschiedene kulinarische Spezialitäten wie Paella, Vino und karibische Cocktails angeboten. Neben Flamenco, und Salsa-Unterricht gab es auch eine Vorführung der Adveniat-Modenschau.
Am Adveniat-Stand mit Glücksrad und Infos zum Werk fand ein reger Austausch über Lateinamerika statt. Der spanische Elternverein konnte für seine Arbeit Gelder sammeln. Eine schöne deutsch - spanische - lateinamerikanische Begegnung! 

    
 
Die Modenschau kann für Veranstaltungen gebucht werden bei: Stefanie Hoppe, bzw. weitere Infos unter www.adveniat.de
 
Autor: Stefanie Hoppe

Tod eines Mapuche-Indígenas bei Zusammenstoß mit der Polizei

Dienstag, 18. August 2009

Update 24.8.2009 

Auf www.dw-world.de/amerika ist ein sehr interessanter Artikel über die Mapuche erschienen.

Die Auszüge und Hintergründe gibt es auch zum Hören (ab Minute 6:00):

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Im Januar 2009 hat Reiner Wilhelm über den Kampf der Mapuche berichtet

Der Tod eines 24-jährigen Mapuche-Indígenas bei Zusammenstößen mit der Polizei ist bei den Verantwortlichen der Indianerpastoral in Chile auf scharfe Kritik gestoßen. Die Situation, die zum Tod des jungen Aktivisten geführt habe, hätte leicht verhindert werden können, wenn die Behörden auf das Dialogangebot der Indianervertreter eingegangen wären, heißt es in einem Kommunique der Kommission für Mapuche-Pastoral der katholischen Kirche. „Wir verurteilen die unangemessene Gewalt, mit denen die Polizei in den so genannten Konfliktgebieten vorgeht. Die Mapuche sind weder Kriminelle noch Terroristen. Der Tod von Alex Lemún, Matías Catrileo und nun von Jaime Mendoza Collío ist die Konsequenz dieser Gewaltspirale, die wir seit langem anklagen und die nun endlich gestoppt werden muss“, so die Verantwortlichen der „Pastoral Mapuche“, einer von Adveniat geförderten Initiative der Chilenischen Bischofskonferenz.

Der Indígena-Aktivist war am vergangenen Mittwoch bei einem Zusammenstoß mit Polizeikräften in einem besetzten Landgut in La Araucanía (Südchile) ums Leben gekommen. Nach jüngsten Autopsieberichten starb er an den Folgen eines Rückenschusses. Die Polizei erklärte dagegen, dass der verantwortliche Beamte in Notwehr gehandelt habe. Der Täter befindet sich zurzeit in Untersuchungshaft.

Der seit vielen Jahren schwelende Konflikt um die Rechte der Mapuche-Indígenas war im Juli wieder aufgeflammt, nachdem die Regierung einer Delegation aus mehr als 100 Indianerführern den Empfang verwährte. Die Aktivisten waren in die Hauptstadt Santiago gekommen, um gegen die systematische Verletzung von Landrechten und die anhaltende Gewalt gegenüber den indigenen Gemeinschaften zu protestieren. In der Folgezeit kam es vor allem in der Region „La Araucanía“ rund 600 Kilometer südlich von Santiago zu Demonstrationen und Landbesetzungen. Die Regierung rückte mit Spezialeinheiten gegen die Protestgruppen vor.

Unterdessen hat Staatspräsidentin Michelle Bachelet offiziell ihr Bedauern über den Tod des jungen Mannes ausgedrückt. Für den kommenden Samstag haben mehrere Indígena-Organisationen zu eine zentralen Kundgebung in Temuco (Südchile) aufgerufen. Neben einem Protestzug wollen die Indianervertreter darüber beraten, wie sie auf die jüngste Gewalteskalation reagieren sollen.

In ihrer Erklärung haben die Verantwortlichen der Indianerpastoral ihre Bereitschaft bekräftigt, zu einer friedlichen Lösung des Konfliktes beizutragen. Gleichzeitig bestärkten sie Mapuche darin, „ihre Identität und ihr Land zu verteidigen“, drückten den Angehörigen und Leittragenden der Gewalt ihre Solidarität aus und forderten die staatlichen Stellen zu einer „schnellen und angemessenen“ Reaktion auf.      

Link zu Erklärung  (Spanisch)

Weitere Links:

Projekt: Mapuche - Menschen der Erde

Reportage und Fotos: Verschwindende Minderheit: Mapuche auf dem Land 

Porträt: Fernando Díaz

Zum Thema: Aktion 07

Eine Journalistin, die sich mit den Armen gemeinmachte

Dienstag, 04. August 2009

Für Maria-Christine Zauzich war Guatemala der Lebensinhalt

Eigentlich wollte sie nur zwei Jahre bleiben. Doch Guatemala wurde ihr Schicksal, ihr Lebensinhalt. Als Maria-Christine Zauzich 1985 beschloss, als freie Journalistin in das mittelamerikanische Land zu gehen, um von dort aus über Themen aus ganz Lateinamerika zu berichten, war dies ein Sprung ins kalte Wasser. Die in Oberfranken geborene Journalistin hatte bei der FAZ als Redakteurin für Kirchenfragen gearbeitet, hatte das Ressort „Theologie und Kirche“ des Rheinischen Merkur geleitet. Ihre Studien der Politikwissenschaften in München und London hatten sie für ihren Beruf fit gemacht, Otto B. Roegele, Herausgeber des Rheinischen Merkur, holte die begabte Journalistin in die Redaktion des Blattes nach Bonn und bestärkte sie, sich im Vorstand der Gesellschaft Katholischer Publizisten (GKP) zu engagieren. Eine erste Auslandsreise nach Obervolta im Jahr 1982 öffnete die Augen für weltweite Zusammenhänge und die daraus resultierenden Ungerechtigkeiten. Als sie 1985 beruflich nach Guatemala kam, beschloss sie, ihre feste Stellung gegen die Unsicherheit einer Freien Journalistin einzutauschen.

Maria-Christine Zauzich schrieb über das Ende des Bürgerkriegs in Guatemala, über die schwierige Aufarbeitung der Vergangenheit und immer wieder über die Opfer, die Märtyrer und ihre Witwen. Frauen wie Rigoberta Menchú oder Rosalina Tuyuc, die bekanntesten Anführerinnen der Bewegung der Witwen in Guatemala, fanden in ihr eine Fürsprecherin und Freundin. Dem Prinzip von Hanns Joachim Friedrichs, sich nicht mit einer Sache gemeinzumachen, war Maria-Christine Zauzich sicherlich nicht gefolgt. Stattdessen wurde die „Sache“ der indigenen Bevölkerung in Guatemala immer mehr die ihre. Die mehrheitlich indianische Bevölkerung in Guatemala hatte unter dem Bürgerkrieg am meisten gelitten, im Quiché, dort, wo die meisten Opfer unter ihnen zu verzeichnen waren, war Christine Zauzich immer häufiger zugegen, wenn die Leichen der Opfer exhumiert und identifiziert wurden.

Ihr Projekt, ein „Buch der Märtyrer“ zu schreiben, das eine vollständige Auflistung aller Ermordeten und Verschwundenen sein sollte, konnte zwangsläufig zu keinem Ende kommen, weil die Aufarbeitung der Vergangenheit in Guatemala weder abgeschlossen noch politisch erwünscht ist. Immer wieder hatte die deutsche Journalistin analysiert, dass der indigenen Bevölkerung bewusst die Chancen auf Bildung genommen werden. Ihr Film „Drei Tage mit Ana“, für den sie 1990 gemeinsam mit dem Filmemacher Bert Herfen mit dem Katholischen Medienpreis ausgezeichnet wurde, schildert den Alltag eines kleinen Mädchens in Guatemala, dessen Mutter die Kinder damit ernährt, dass sie einfache Maisfladen, Tortillas, backt und verkauft.  Diesen indianischen Kindern, insbesondere Mädchen, eine Bildung zu ermöglichen, wurde ihr wichtigstes Anliegen. Sie gründete ein Stipendienwerk, das es Kindern aus indianischen Bürgerkriegsfamilien ermöglichen sollte, zu studieren. „Ich wollte das nicht wirklich“, schrieb Maria-Christine Zauzich einmal rückblickend. „Ich dachte, dass zu viele NGOs vor allem durch Paternalismus schaden. Wie auch immer, zusammen taten wir schließlich die ersten Schritte, um das Projekt Ija´tz zu gründen. Zur selben Zeit konnte ich zusammen mit Freunden und Verwandten in Deutschland das Projekt Samenkorn ins Leben rufen. Bis heute sind die Mehrzahl der über 700 privaten Spender persönliche Freunde, Leser meiner Artikel sowie Mitglieder katholischer und evangelischer Gemeinden.“ Viele Jahre pendelte sie als Botschafterin des Projekts, aber auch als Sprachrohr der indianischen Bevölkerungsmehrheit in Guatemala, zwischen Deutschland und ihrem Zuhause in Guatemala-Ciudad. Sie sprach auf Katholikentagen, vor der Deutschen Bischofskonferenz, als Gast der Adveniat-Jahresaktion und in zahlreichen Kirchengemeinden. In Lüdenscheid, wo das Projekt Samenkorn seinen deutschen Sitz hatte, fand sie immer wieder Aufnahme.

Das Projekt Ija´tz hat Maria-Christine Zauzich Anfang dieses Jahres in guatemaltekische Hände gegeben. Sie selbst arbeitete wieder mehr als Journalistin. Ein langer Gang auf dem Jakobsweg war für sie der rechte Wendepunkt, um gesundheitliche Probleme und die erneute berufliche Wende zu meistern. Deutschland sei ihr fremd geworden, sagte sie bei ihrem letzten Besuch im Juni 2009. Ihr Zelt, das sie früher in Helgoland für den jährlichen Urlaub deponiert habe, sei ohnehin verrottet.

Christine Zauzich kehrte mit über 60 Jahren zurück in den Journalismus, schrieb wieder Artikel, unternahm Recherchereisen für Adveniat in Zentralamerika, drehte kleinere Filme. Für ihr Projekt, einen Film über das damals kleine Mädchen Ana zu drehen, das heute als Hausangestellte in Guatemala arbeitet, suchte sie noch Geldgeber. Der Film sollte begonnen werden, nachdem sie ein letztes Mal eine Gruppe aus dem sauerländischen Lüdenscheid durch Guatemala begleitet hätte. Unter bisher noch ungeklärten Umständen ertranken sie und ein Mitglied der Lüdenscheider Reisegruppe jetzt im Pazifik.

Autor: Christian Frevel

04. August 2009