Die Nacht hat die lang ersehnte Abkühlung gebracht. Gestern noch war es unerträglich heiß. Starke Winde fegten über das Land und verteilten die trockene Erde in Form von Sand, Staub und Dreck in alle Ritzen und Ecken. Wenn es nicht regnet, ist die Stadt staubig und schmutzig. Nun brachten kräftige Regengüsse und Gewitter einen Temperatursturz und reinigten die Straßen, brachten den Bauern den ersehnten Regen. Es ist Frühling und Zeit für die Aussaht. Dazu braucht es Feuchtigkeit. Die eigentliche Regenzeit beginnt jedoch erst im November. Wenn es regnet, dann heftig. Dann stehen die Straßen teilweise unter Wasser, da die Kanalisation die Wassermassen nicht aufnehmen kann.
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Santa Cruz ist das städtische Zentrum des Tieflandes von Bolivien. Das Tiefland ist die Kornkammer des Landes. Bemerkbar macht sich dies an den zahlreichen Fabriken und Industieansiedlungen, in denen das Zuckerrrohr zu Zucker oder Soja zu Speiseöl verarbeitet wird. Gleichzeitig gibt es eine starke Bevölkerungswanderung von den armen Andenregionen ins Tiefland. Viele Menschen siedeln sich am Stadtrand an in der Hoffnung, dort Arbeit zu finden. Die Stadt ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Die Bevölkerung wird heute auf mehr als eine Million geschätzt.

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„Wir sind da, um zu helfen“ sagt Bruder Rafael, der Leiter des „Hogar Santa Teresa de los Andes“, eines Zentrums für geistig und körperlich behinderte Kinder. Die Ordensgemeinschaft „Fraternidad de la Divina Providencia“ hat dieses Zentrum aufgebaut. Es finanziert sich zu einem großen Teil durch ausländische Spenden. Die Kinder stammen häufig aus armen Familien und könnten eine Therapie nicht bezahlen. Im Zentrum erhalten sie professionelle Hilfe. Ein Teil der Kinder wohnt im Heim, ein anderer Teil kommt täglich zur Therapie. Ein Bus des Zentrums holt sie ab und bringt sie zurück. Um einen Teil zum eigenen Unterhalt beizusteuern, arbeiten diejenigen, die dazu in der Lage sind, in der eigenen Bäckerei mit. In der Planung befindet sich der Aufbau einer kleinen Landwirtschaft. Die Arbeit dort ist Therapie und die Produkte ergänzen den Speiseplan. Die Kinder werden angeleitet, sich gegenseitig zu helfen.
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Die Schwestern hatten eine Gesundheitsstation der Pfarrei geschlossen, da sie den Eindruck hatten, dass dieser Dienst nicht mehr benötigt wird. Schließlich gibt es einen staatlichen Gesundheitsdienst. Die Bevölkerung jedoch beharrte darauf und so öffneten die Schwestern wieder die Station. „Die Art und Weise, wie die Schwestern die Menschen, die zu ihnen kommen, behandeln, wie sie die notwendigen Medikamente suchen, macht den Unterschied.“ Das sagt der Pfarrer der Pfarrei „Nuestra Señora de las Mercedes“ in Montero, einer 100.000 Einwohner-Stadt, eine Stunde von Santa Cruz entfernt. Die Seelsorge teilen sich zwei Pfarreien. Zur Pfarrei der Barmherzigkeit gehören 70.000 Menschen. Drei Gesundheitsstationen sind in Betrieb. Im Gefängnis, das sich im Bereich der Pfarrei befindet, organisiert die Pfarrei Ausbildungskurse für die Gefangenen. Sie lernen richtig lesen und schreiben, die Handhabung eines Computers, lernen Schneidern oder das Anfertigen von Kunsthandwerk. Die Kurse werden von ausgebildeten Lehrern durchgeführt, so dass die Gefangenen einen anerkannten Abschluss erwerben können.
Es gibt in der Stadt keine Straßenkinder, die auf der Straße nächtigen, wohl aber Kinder und Jugendliche, die auf der Strasse arbeiten, also kleine Dienstleistungen verrichten oder etwas verkaufen, um zum Lebensunterhalt ihrer Familien beizutragen. Wenn sie sich verpflichten, regelmäßig die Schule zu besuchen, dürfen sie am Programm der Pfarrei speziell für sie teilnehmen. 80 nehmen dieses Angebot wahr.
An den Wochenenden gibt es zwei Gottesdienste für Kinder und zwei Gottesdienste für Jugendliche, da sonst nicht alle in der Kirche Platz finden würden. Kein Wunder, werden doch 1.200 Kinder auf die Erstkommunion vorbereitet und 1.400 Jugendliche gefirmt. Nicht alles konzentriert sich in der Pfarrkirche mitten in der Stadt. Ich besuche ein Grundstück am Rande der Stadt in einem Armenviertel.

Hier wohnen 14.000 Menschen. Das Bürgermeisteramt hat der Pfarrei 5.000 m² geschenkt für den Aufbau einer neuen Pfarrei. Noch finden die Veranstaltungen unter freiem Himmel statt. In Kürze erhalten wir einen ausgearbeiteten Antrag für den Bau einer Kapelle. Die Hilfe von Adveniat ist angefragt. Die Notwendigkeit ist offensichtlich.
Martin Hagenmaier